In so bitterer Lage stand an einem heißen Tage die Sonne hoch am Himmel, als Pizarro und Luque von Ferne den Schein von Panzern und Waffen erglänzen sahen. Sie glaubten vielleicht, daß ihre Feinde bereits
geschult und bewaffnet, sie zum Kampfe herausforderten, welches war aber ihre Ueberraschung, als sie sahen, daß es Spanier, daß es ihre Brüder waren, die ihnen zu Hilfe flogen! Fernando, der Bruder des Statthalters, des Anführers der Abenteurer, führte von Panama, von Guatemala und Nicaragua, achthundert nach den Schätzen Perus dürstende Abenteurer her.
Pizarro, als er Peru entdeckte, dessen Küsten entlang lief und Tumbez in Besitz nahm, schickte seinen damit beauftragten Bruder, überall die günstigsten Nachrichten zu verbreiten, die dem Ehrgeiz eine glückliche Zukunft verhießen, nach Panama, und in den Papieren, welche er der Regierung übergab, waren, um die Kolonieen und die Hauptstadt in Bewegung zu setzen, die Reichthümer bis ins Unendliche übertrieben. So war es auch wirklich, sowie man in Panama die Berichte Pizarros veröffentlichte und sich die Neuigkeit hievon nach den nahen Inseln verbreitete, strömten Hunderte von Abenteurern herbei, um sich unter die Fahne seiner Werber einzureihen; und sicher, sie mit Vortheil wieder einzuheimsen, streckten die Kapitalisten für deren Ausrüstung eilfertigst ansehnliche Summen vor. In kurzer Zeit vermochte Fernando mit einer zu jener Zeit ansehnlichen Macht unter Segel zu gehen, und nur so konnte er sich, Mangels an Hülfsmitteln, an denen die Eindringlinge litten, der bereits schwankenden Eroberung vergewissern.
Schwierig wäre es, mit deren eigenen Farben jene Freude und jene Ueberraschung zu schildern, die Luque
und Pizarro, als sie sich von achthundert Streitern verstärkt sahen, in ihren Mienen bekundeten. Viele Stunden lang dauerten die ununterbrochenen Umarmungen und das Geschluchze. Luque hob die Hände zum Himmel und segnete seine Barmherzigkeit. Weit entfernt von Pizarro der Gedanke an Furcht, als er mit Luque allein über ihre mißlichen Umstände nachdachte, er war zu verwegen und tapfer genug, um sich nicht in Mitten seiner Dreistigkeit vor dem Tode zu fürchten, sein Tod aber wäre fruchtlos und vermehrte die Kühnheit seiner Feinde. Wenn Luque der Gedanke daran tröstete, in der neuen Welt bereits das Evangelium gepredigt und hunderte von Neubekehrten gemacht zu haben, zerriß ihn gleichfalls der Gedanke, den Satan nicht vollends aus dem ausgedehnten Reiche werfen zu können. Selbst Almagro, welcher seine Thränen mit denjenigen der unglücklichen Besiegten vermischte, freute sich, weil er seine Hoffnungen nährte, seine schöne Coya wiederzusehen, gleicherweise mit Begeisterung über die Ankunft Fernandos.
Obwohl Fernando mit Pizarro bis nach Tumbez vorgedrungen war, wußte er nichts von dem Innern des Reiches; und von den Nachrichten, welche ihm die bestürzten Peruaner bei den Durchzügen verschafften, geführt, tausenderlei Ungemach und Entbehrungen erleidend, konnte er, von dem Getümmel, das den Bewegungen der Abtheilung Pizarros folgte, getrieben, nur bis Cajamalca gelangen. Die Berichterstattung so verwickelter und schwieriger Abenteuer, sowie die Beschreibung der Siege und der ungeheuren Schätze
und Trümmer des Reiches, erfüllte die Spanier viele Stunden lang.
Fernando war nicht mehr als ein einfacher Heerführer, denn sobald er in Cajamalca ankam, übergab er es Pizarro, als dem Anführer der Eroberung und Statthalter der zu entdeckenden und zu erobernden Länder; Almagro war sein Unterfeldherr, und Luque, allerhöchsten Ernennungen der Hauptstadt zufolge, Generalverweser des ganzen Reiches.
Sowie sich Pizarro mit einer Verstärkung sah, welche seine Streitkräfte, die er hatte, verdreifachte, gedachte er auf Cuzco loszumarschiren und die Eroberung mit einem Schlage zu beendigen. Die neuen Abenteurer, welche seine Reihen verstärkt hatten, mußten ihm, wiewohl erst angeworben und nicht an das Klima der neuen Welt gewohnt, ein vollständiges Vertrauen einflößen; nach Schätzen dürstend, fanatisch und unmenschlich führte sie Alles zum Siege, und machte sie Alles zu Luques und Pizarros würdigen Helden. Trotz der aus bereits angedeuteten Gründen strengen Mannszucht herrschte unter den Siegern Cajamalcas eine vollständige Widersetzlichkeit, und Pizarro erkannte, daß es für ihn nicht vortheilhaft war, in seiner Abtheilung Soldaten zu haben, welche ihm kein Vertrauen einflößten und welche die Zwietracht einführten, und er veröffentlichte einen unverzüglichen Befehl, wonach, wer wollte, auf den Schiffen, welche in San Mateo durchfuhren, in sein Vaterland zurückkehren konnte. So erreichte er nicht nur, daß ihm entschlossene Männer folgten, sondern auch, daß, da die Abenteurer mit Gold beladen in ihr Land zogen,
der Ehrgeiz Krieger, welche seine Eroberung mehr befestigten, in die neue Welt lockte.