Die schöne Coya schwur ihrem Geliebten von Neuem ihre Liebe zu. Tausend Zärtlichkeiten und tausend Liebkosungen versicherten ihr diejenige Almagros und glücklich sahen sie dem Ende ihrer Qualen entgegen. Obschon im Heere erzogen, segnete Coya den Frieden, und obwohl unter dem Getöse der Waffen geboren, fand Almagro nur im Frieden das Mittel, sich an den Liebkosungen seiner Coya zu erfreuen. Die Peruaner behielten ihre Gesetze und ihre Tempel, ihre Ehre war in Nichts herabgewürdigt; wenn sie auch den Spaniern ungeheure Summen bezahlten, lernten sie doch ihre Wissenschaften, ihre Künste und ihre Civilisation; die einen wie die andern wären glücklich, die Zeiten und die Sitten umschlängen ihre Bande, in Spanien würden Ströme peruanischen Goldes fließen und Freunde und freie Brüder wären ihnen vortheilhafter als unglückliche Sklaven. So schrieb es die Zukunft vor und befahl es das Wohl der Nationen, aber im sechszehnten Jahrhundert wogen am Hofe Karls des Fünften und seiner Abgesandten das Schwert und das Kreuz mehr als die Vernunft, mehr als die Menschlichkeit und mehr als das Wohl der Nationen.
Kapitel 19.
Sieg.
Der Donner der Kanone erschreckte die Cuzcaner nicht, es glänzten keine Waffen in den Strahlen der Sonne und zwischen den beiden Heeren herrschte die tiefste Ruhe. Voll von den süßen Hoffnungen, welche ihm seine Vernunft, seine Empfindsamkeit und seine Liebe einflößten, ging Almagro aus der Stadt hinaus, und der Senat und die Peruaner warteten ruhig das Endergebniß der Unterhandlung ab. An der Spitze ihrer Bataillone, schien Coya jene kriegerische Begeisterung, welche sie in den einheimischen Kämpfen zum Siege geführt hatte, bereits zu verlieren; das Schmachten der Liebe glänzte in ihrer Miene, und die Liebe versüßte ihre Seele und erhöhte ihre Reize. In Schmerz versunken, weinte Ocollo um Atahulpa und den Untergang ihres Vaterlandes; sie an den Namen Pizarros zu erinnern, war ihre größte Qual; die Erde konnte den Mörder des Inkas nicht zugleich mit der Schönen tragen.
Almagro kam in seinem Lager an, und unermüdlich dachten Pizarro und Luque nicht an einen ehrenvollen
Frieden mit den Peruanern, sie dachten nur daran, ihre Zerstörungs- und Eroberungspläne mit Feuer und Schwert auszubreiten und zu entrollen. Sie warteten jedoch ungeduldig auf den Boten, um den Zustand der Niedergeschlagenheit zu kennen, in welchem sich zufolge der von ihm einzuleitenden Friedensvorschläge der Hof befand, und um die Tapferkeit und die Begeisterung der Peruaner vollends zu kennen. Voller Zufriedenheit umarmte Almagro seine Gefährten; »einen eurer Tapferkeit und der Größe unseres Herrschers würdigen Frieden anerbietet uns das Reich: Dieses sind die Bedingungen, sie werden unsere Brüder sein, sie werden unsere Größe ausmachen und werden uns ihr Glück verdanken. Wenn ihr den Frieden annehmt, wie es die Vernunft und das Interesse vorschreibt, werden die Schwüre nicht von Neuem übertreten werden, mein Schwert ist für deren Heiligkeit eingestanden«. Pizarro und Luque schwiegen mit geheimnißvollem Stillschweigen.
Nachdem die Bedingungen, welche Almagro brachte, gesehen worden waren, schrie Pizarro, daß er Sklaven wollte, und Luque, daß er im Namen Jesus die Zerstörung der Sonnentempel verlangte. »Nein, weder Waffenstillstand, noch Frieden«, sagte der Statthalter, »niemals«. »Die Ehre der spanischen Waffen, das Interesse meines Herrschers befiehlt den Krieg; die an Ketten gebundenen Peruaner werden das Kreuz anbeten und werden dem Innern der Berge die Schätze erpressen, um den Thron des Königs von Castilien zu zieren«. »Du weißt es, Pizarro,« unterbrach ihn
Almagro, »im Kriege erzogen, bin ich der erste gewesen, sich in Gefahren zu stürzen, der Tod macht mir nicht bange, die Unehre entsetzt mich; für mein Vaterland zu kämpfen und zu sterben ist meine Wonne gewesen und wird mein Ruhm sein. Das Interesse aber unseres Monarchen, die Vernunft, die Billigkeit, Alles schreibt den Frieden vor, welchen uns das Reich anbietet; euch reißt vielleicht euer allzugroße Eifer, eure Tapferkeit hin. Zur Sklaverei der Knechtschaft verdammt, durch unsere Waffen zerfleischt, wird das Geschlecht der unglücklichen Peruaner von der Erde verschwinden, und Menschen und Städte sind vortheilhafter als Schutt und Leichen.«
Von Fanatismus erfüllt schrie Luque übermäßig auf: »Und du, Almagro, du sähest die Tempel der Götzendiener, und fürchtetest dich nicht vor dem Zorne deines Gottes?« »Mein Gott«, antwortete Almagro, »wird ihren Verstand mit der Fackel des Glaubens erleuchten, sie werden seine Allmacht kennen und seine Barmherzigkeit anbeten lernen. Dolch und Flammen nehmen die Vernunft nicht gefangen, sie erpressen den Lippen nur kalte Worte, die Seelen rühren sie nie, und Jesus Christus will den innern Glauben, der äußere ist eitle Pracht.« »Satan bemächtigt sich deines Herzens; flehe die Gnade Gottes an, den du verehrst.« Luque schauderte vor Entsetzen. In tiefes Stillschweigen versunken löste Pizarro dort in seinen Gedanken blutige Pläne.... »Und Ocollo«, sagte er zu Almagro, »ist sie meiner Liebe zugänglich, geben ihre Reize der Macht des Siegers von Peru nach? Deine Schmeicheleien