und deine Liebkosungen könnten vielleicht, wenn dein Herz auf die Zärtlichkeit hört, ihre Seele fesseln, jetzt aber graut ihr davor, den Namen Pizarros zu hören. — Sie schaudert. — Noch fließt in ihrem Gedächtniß das Blut Atahulpas.« »Und soll die Liebe«, sagte Luque, »die kostbaren Augenblicke, welche ihr Gott und eurem König schuldet, mit Gewalt entreißen! Denkt einzig an die Eroberung von Peru, verachtet die eitle Pracht des Satans: Ocollo und Coya sind vom Teufel besessen, um die Zwietracht in unserm Lager zu säen; hört auf die Stimme eures Verwesers. Meine Söhne, eilt zu den Waffen, verkündigt den Sieg, fordert nicht den Zorn Gottes heraus, macht nicht, daß euch der fürchterliche Bannstrahl zerschmettere«. »Hört das Mitleid an,« rief Almagro. »Dein Gott befiehlt den Sieg«, sagte Luque. »Die Ehre der spanischen Waffen verlangt die Zerstörung« rief Pizarro aus.

Umsonst war die Vermittlung Almagros; der Fanatismus trifft niemals Vergleiche, der Untergang des Reiches war beschlossen. Inzwischen litt sein Herz die roheste Qual. Würde der Friede nicht angenommen, sähe er seine Angebetete nicht wieder: An der Spitze ihrer Krieger ginge Coya in den Tod, das Grab entrisse seine Wonne, oder die Erbitterung des Krieges trennte sie auf ewig. Pizarro im Gegentheil, fand nur im Kriege seine Hoffnungen von wegen Ocollo; seine Gemüthsart gestattete ihm nicht, sich der Zärtlichkeit nachgiebig zu zeigen, und der Stolz als Sieger vermochte in seiner Seele mehr, als die Einflüsterungen der Liebe.

Tausend Gedanken quälten Almagro. Seiner Liebe zu entsagen, war ihm nicht möglich; sein Vaterland zu verrathen, war ein Verbrechen; wider sein Leben zu trachten, war eine dem Christenthum entgegengesetzte Moral. In so bedauernswerthem Zustande rannte er, vor Wahnwitz außer sich, in die Nähe von Cuzco: »Fliegt zu den Waffen«, sagte er zu den Peruanern, »Luque und Pizarro leugnen den Frieden; sagt dem Senate, daß Almagro die Seelen seiner Gefährten nicht zu erweichen vermochte, daß der Untergang des Reiches beschlossen ist; sagt Coya, daß Almagro sie anbetet.« Ebenso schnell wie der Blitz floh er von den Mauern und kehrte, die Cuzcaner voller Schrecken und Verwirrung lassend, zu seinen Zelten zurück; und indessen Luque und Pizarro sorgfältig das Entzücken ihres Gefährten beobachteten, sahen sie sich vor, sich vor einem Verrath seiner Waffen zu sichern und bereiteten den Schlag vor, um einen Anführer, der ihnen bei ihren Plänen in keinerlei Hinsicht nützlich sein konnte, zu vernichten.

Das Abkommen wurde nicht so geheim gehalten, als daß nicht das ganze spanische Lager die Bedingungen wußte, welche die Peruaner anboten, und wenn die Mehrzahl für Raub und Angriff war, hatte auch Almagro seine Anhänger, weil es gefühlvolle Menschen gab. Pizarro jedoch setzte, gewaltthätig in seinen Befehlen, auf den Ungehorsam den Tod, und Luque hatte, im Namen des Himmels redend, über die Fanatiker des sechszehnten Jahrhunderts eine zauberische Gewalt. Einer wie der

andere wußten sie, den militärischen Schwenkungen Ueberstürzung gebend und so keinen Raum zu Vernunftgründen und Verschwörungen lassend, sich die Augenblicke nutzbar zu machen, und Pizarro drohte mit dem Tode und Luque mit dem Kirchenbann. Den gewaltthätigen Schritt zu thun, Almagro abzusetzen, konnte sie in den mißlichsten Augenblicken bloßstellen, und einmüthig beschlossen sie, bis zur Vervollständigung des Sieges sich weiter zu verstellen.

In der Stadt nahm man eine schnelle Bewegung wahr, die Rufe Almagros griffen gar bald bis vor die Rathsversammlung um sich und widerhallten in den fernsten Umkreisen von Cuzco; Alle eilten zu den Waffen: Unermüdlich beseelte Huascar mit seiner Begeisterung die Krieger und die Sonnenpriester ergossen mit trügerischen Schmeicheleien und Prophezeihungen das Zutrauen unter die Tapfern. Von Vaterlandsliebe entflammt, zerrissenen Herzens bei der Erinnerung an die Verlassenheit ihrer Altäre, ermuthigte Coya, andrerseits die in ihren Augen erhabenen Tugenden Almagros bewundernd, ebenfalls ihre Soldaten, und Alle gingen, Gesänge an die Sonne und an die Freiheit anstimmend, in den Tod.

Pizarro stellte seine Division von Neuem auf und wild begann der Kampf. Die schwachen, beinahe schon zertrümmerten Mauern erbebten beim Donner der Kanone und stürzten zusammen. Drei Mal rückte Pizarro an der Spitze seiner Colonne zum Ansturm vor, drei Mal schlugen die Peruaner, mit wehrlosen Brüsten

gegen die Panzer und die Waffen fechtend, die Spanier von den Mauern zurück; tausende von Peruanerleichen dienten den Belagerern als Sturmleiter, aber die den Gefahren und dem Tode überlegene Tapferkeit der Indianer erschrak nicht beim Zischen des brennenden Bleies, noch beim Glanze der Waffen. Der Kampf war blutig: Die kriegstüchtigen und von den Waffen ihrer Gegner unverwundbaren Spanier gaben jedoch der Zahl und der Anstrengung nach und die Fahne des Reiches flatterte ruhig auf den Mauern.

So lange Zeit in Peru kämpfend, kannte Pizarro die Taktik und die Art der Kriegsführung der Peruaner. Bald aus sichern Beobachtungen, bald aus Nachrichten, welche er von Gefangenen nahm, wußte er, daß, die Fahne des Reiches ergreifend, das Heer sich zur Flucht erklärte und der Sieg dem Feinde war. Von diesem Gedanken überzeugt, ordnete er sein Angriffssystem an. An die Spitze von hundert auserlesenen Soldaten gestellt und von seiner ganzen Abtheilung in geschlossener Colonne unterstützt, ging er rasch auf die Fahne zu, welche auf den Trümmern der Bresche wehte. Huascar und die vornehmsten Krieger thaten hier Wunder der Tapferkeit; mit hundert Klauen verschlang hier der Tod jeden Augenblick tausend Opfer, das Blut floß, die Zerstörung flog umher, aber die unwiderstehliche Gewalt Pizarros, seine Waffen, seine Mannszucht sollten über den Sieg entscheiden, und den Degen in seiner Rechten schwingend, riß Pizarro mit seiner Linken die Fahne weg, und das Reichsheer erklärte sich in eilfertiger Flucht.