Das Verderben hinter sich her führend, stürzten sich die Sieger auf die Stadt und gaben sich lieber der Plünderung hin, als daß sie den Resten des besiegten Heeres folgten; Pizarro aber, vorhersehend und immer nach der schönen Ocollo ausschauend, hatte, indeß er siegreich die Hauptstadt überzog, dem verwegenen Kapitän Soto befohlen, dem übrigen Heere, das durch Feld und Fluren floh, mit der ganzen Reiterei so lange nachzusetzen, bis daß er sich im schlimmsten Falle mit aller Gewalt der Schönen bemächtigte, die er vergötterte, indem er ihm, wenn es ihm gelänge, seinen entscheidenden Schutz für sein Vorrücken und einen unermeßlichen Antheil an der Beute von Cuzco anbot. So würde, wenn Ocollo in der Stadt geblieben war, Pizarro sich ihrer bemächtigen, floh sie mit dem Heere, war es möglich, daß sie die Gefangene des kühnen Sotos wurde; denn er glaubte, daß die Eroberung von Cuzco ihm auch den Triumph seiner brennenden Wünsche sicherte, und nur das Grab Ocollo vor ihrem unwiderstehlichen Verfolger retten könnte.
Ihre Hauptstadt verlierend, kamen die Peruaner um das ganze Reich: Die ungeheuren Ebenen stellten ihnen, wenn sie, schon schwach und zu Boden geworfen, auf’s Neue wagten, ihre Arme mit den unwiderstehlichen Waffen der Spanier zu messen, nur Gräber vor. Dennoch boten sie von den Cordilleren der Anden, wie Covadonga den Gothen, immer noch eine Zuflucht dar; zwischen den steilen und uneinnehmbaren Gebirgen konnten sie ihre physische Freiheit und ihr Dasein erhalten, um den Untergang des Reiches zu beweinen.
Zwanzigtausend Peruaner fielen unter der Wucht der Waffen; zwanzigtausend legten auf Gnade oder Ungnade der Sieger die Waffen ab; viele flohen in entlegene Gegenden und noch andere folgten Huascar und dem Rathe auf die Gipfel der Anden. Ocollo, welche als schwaches Weib ebenfalls floh, war nicht im Stande, der Flucht des Heeres längere Zeit zu folgen; Soto hieb den Nachtrab der Besiegten unwiderstehlich nieder, und umsonst verkauften tausend Peruaner theuer ihr Leben, um die Schöne zu retten, welche endlich Sotos Gefangene wurde, mit der er stolz nach der Stadt marschirte. Coya, die nach Almagro, nach ihrem Vaterlande seufzte, fuhr, um ihre Krieger jammernd, fort, sich zu schlagen und sich in den Tod zu stürzen, aber das Blei und die Waffen achteten ihr kostbares Leben und sie rettete sich mit den Ihrigen in die Anden.
Pizarro gab die Stadt der Plünderung preis; überall verbreitete er Schrecken, und auf den Trümmern von Cuzco sitzend, gebot er als Sieger über das Reich der Inkas; Luque hob die Hände zum Himmel empor und dankte dem Herrn für den Sieg; und Almagro schien, bei dem Anblick der Trophäen der spanischen Waffen, in tiefer Erstarrung wie versteinert. Der Thron Karls des Fünften stieg auf den Schultern Pizarros über einem Berg von Gold bis an den Himmel; die von diesem ruhmreichen Tage ab leuchtende Sonne verbarg sich niemals für die spanischen Besitzungen. Als sie sich, um dem mächtigen Hofe der Gothen Ruhe zu gönnen, zwischen den Wellen begrub,
fing sie an, für die neuen Erdtheile, wo ihre Sklaven die Schätze, womit sich der Hof von Castilien schmückte, aus dem Innern der Erde schafften, zu glänzen. Paul III. sah über den Gestaden des südlichen Meeres vom Vatikane aus das Kreuz erglänzen, und für die alte Welt und für das Christenthum eröffnete sich um die Mitte des sechszehnten Jahrhunderts ein neuer Zeitabschnitt.