III. Unsere Gesellschaft ist über die ganze Welt verbreitet und die Zahl unserer Niederlassungen ist in ständigem Wachstum begriffen. Wir wollen Menschen hohen Geistes den Verkehr mit Gleichgesinnten ermöglichen. Da außer der unseren keine andere derartige Organisation besteht, gibt es unter denen, die uns noch nicht kennen, viele, die durch ihre Vereinsamung leiden. In unseren Logen finden solche Männer alles, was sie suchen und noch mehr. In unseren wöchentlichen Zusammenkünften wird eine edle Geselligkeit gepflegt. Die besten Gedanken werden vorgebracht und die echteste menschliche Freude wird ausgekostet.

IV. Jeder Rosenkreuzer ist jedem anderen Rosenkreuzer auf der weiten Welt bekannt und sein geschworener Bruder, und als solcher verpflichtet, ihm jede mögliche erlaubte Hilfe zu gewähren. Jeder kann zu einem, zwei oder drei Graden gewählt werden; wenn er einmal ein wahrer Rosenkreuzer geworden ist, ist es nahezu unmöglich, daß er späterhin einmal in Not gerät, denn in allem, was gerecht ist, wird ihm Schutz gewährt, solange er ein würdiger Bewohner des Tempels bleibt. Es herrschen die Wahlsprüche: ›Versuch's!‹ und ›Exzelsior!‹

V. Die Ordensmitglieder zahlen eine Eintrittsgebühr und einen monatlichen Beitrag von einem Dollar. Dafür genießt jedes Mitglied die Vorteile guter Lektüre und wissenschaftlicher Bildungsmittel und eines namhaften Krankengeldes. Ebenso wird für ein standesgemäßes Begräbnis gesorgt, Witwen und Waisen werden vom Orden unterstützt.

VI. Der Orden ist eine Schule der höchsten und besten Kenntnisse, die die Erde überhaupt gewährt. Er überragt alle anderen wohltätigen Gesellschaften, denn er ist nicht nur eine wechselseitige Schutzgesellschaft, sondern er strebt noch nach weit höheren und edleren Zielen – von denen nur einige wenige, sehr wenige, in diesem Büchlein angedeutet sind. Eines der vornehmsten Ziele der Brüderschaft ist es, eine Schule für Menschen zu sein, die Menschen einander nützlicher zu machen, indem man sie stärker, wissender und daher weiser und auch glücklicher macht. Als Rosenkreuzer erkennen wir den ungeheuren Wert von Sympathie, Mut, Ehrgeiz und Ausdauer an.

Nil mortalibus arduum est.

Es gibt keine Schwierigkeit für den, der ernstlich will!

Was immer Gutes und Großes von einem Menschen getan wurde, kann auch durch dich und durch mich ausgeführt werden, mein Bruder, wenn wir so denken und mit wahrem, tiefem Ernst darangehen. Versuch's! Wir proklamieren die Allmacht des Willens! Und wir erklären, daß der Wille des Menschen wie unsere eigenen Taten beweisen, eine erhabene und allerobernde Kraft ist, daß diese gewaltige Macht jedoch nur negativer Art ist, wenn sie ausschließlich zu selbstsüchtigen und eigennützigen Zwecken benützt wird; wird sie aber in die rechten Bahnen geleitet, so wird sie unwiderstehlich. Güte ist Macht. Daher verwenden wir unsere größte Sorge darauf, den normalen Willen zu bilden und ihn so zu einem kraftvollen, mächtigen Werkzeug für das positiv Gute zu machen.

Ein wahrer Rosenkreuzer lernt die Menschen so völlig durchschauen, als wären sie durchsichtig. Und diese Fähigkeit erlangt er nur durch die Tatsache, daß er Rosenkreuzer ist, und kein anderer kann sie je besitzen, er mag tun, was er will. Der Tempel lehrt seine Akolyten, wie diese königliche Kunst der menschlichen Seele, des Willens, zu erwerben, wie sie zu steigern, zu klären und auszudehnen ist.

VII. Die Tore unserer Logen sind ehrlichen und strebenden Menschen niemals verschlossen, noch kann irgendein irdischer Herrscher nur vermöge seines Ranges Zutritt erlangen; denn, mag er auch ein König sein, so braucht er deswegen kein Mann zu sein; dieser Titel steht weit über allen anderen auf der Erde. Wir Rosenkreuzer sind stolz auf unseren Rang, und zwar gerade deswegen, weil wir eine Brüderschaft von Männern sind, und Mannheit als wahres Königtum betrachten. Der Orden hat nichts mit Politik und Religion zu tun, und es ist gleichgültig, zu welchem Glauben sich einer bekennt, wenn er nur ein Mensch ist. Religiöse und politische Dinge dürfen bei uns nicht besprochen, ja nicht einmal erwähnt werden.