»Dann glauben Sie also wirklich, daß es eine Art natürlicher Magie gibt, die in ihren Ergebnissen viel wunderbarer ist, als Aladins Lampe oder Salomons Glücksring?«

»Ganz gewiß glaube ich das.«

»Wie haben Sie von ihrer Existenz erfahren, und wie stellen Sie es sich vor, Novize zu werden, und sich gewisser beabsichtigter Verbindungen zu bedienen? Vielleicht glauben Sie an Elfen, Feen, Genien und Magier?« fragte er mit unterdrücktem Lachen.

»Ich weiß nicht sicher,« erwiderte ich, »ob es solche Magie gibt, aber ich glaube es. Durch ernstes Streben kann sie gefunden werden. Es gibt Stufen, die zu ihr führen, und wenn wir die erste davon entdeckt haben (die wir, glaube ich, schon im Mesmerismus besitzen), können wir ihr folgen, bis wir den großen Thron erreichen. Ich glaube nicht, daß Elfen, Feen, Genien und Magier nur mythische Wesen sind. Es muß, wie mir scheint, ein Funken Wahrheit in den sagenhaften Erzählungen von ihnen stecken, die das Staunen des Hörers und Lesers wachrufen.«

»Sehr gut. Aber sagen Sie mir, ob solche Wesen dieser Welt oder der Welt der Toten angehören.«

In diesem Augenblick schien es mir, als verlöre ich meine geistige Selbständigkeit und als bemächtige sich eine fremde Macht meiner Seele, die für mich antwortete:

»Sie gehören keiner von beiden an, sondern einer ganz anderen Welt!«

Ravalette sah bei diesen Worten erstaunt drein und, nachdem er mich fast eine Minute lang aufmerksam angeblickt hatte, murmelte er kaum verständlich die Worte: »Es wird so sein! Sie sprechen vom Mesmerismus als der ersten Stufe zur wahren Magie, an die Sie glauben und von der ich weiß, daß sie existiert, und Sie dachten, es könnte davon mit Erfolg Gebrauch gemacht werden, um Kenntnisse zu erwerben, die durch die gewöhnlichen Mittel und Methoden nicht erreichbar sind. Sagen Sie mir, wie? Sicherlich doch nicht durch gewöhnliches Hellsehen, das immer nur vergangene Tatsachen enthüllt und nichts anderes, und daher dem Forscher nur wenig nützen kann? Sie glauben mit mir, daß die gesamte alte Geschichte, wie sie uns überliefert wird, im besten Falle eine bloße Fabel oder ein Gemisch von Mythen darstellt, obwohl vielleicht gewisse Teile einer tatsächlichen Grundlage nicht ganz entbehren, wobei das Wahre tausendfach von Erdichtetem überwuchert wird. Wie wollen Sie da mit Hilfe mesmerischer Kräfte wahr und falsch unterscheiden? Können Sie mir darauf antworten?«

»Glauben Sie mir, mein kluger junger Freund, daß der Mesmerismus – wie man ihn nun einmal nicht ganz richtig nennt – recht gut ist zu dem verschiedenartigsten medizinischen Gebrauch. Er mag auch ein bewundernswertes Mittel für die Kontrolle der geistigen Fähigkeiten eines anderen sein, auch recht gut zum Hervorbringen der Grenzerscheinungen des zweiten Gesichts benützt werden, so daß er schließlich zu einer Leiter wird, auf der man mit Geschick und Ausdauer die geringeren Höhen wahren Hellsehens zu erklimmen befähigt wird, aber trotzdem ist der Mesmerismus das niederste der vielen Mittel, um Einsicht und Überblick über die weiten Meere der Geheimnisse zu gewinnen, die das menschliche Leben und das Bewußtsein überall eingrenzen. Ich gebe zu, daß der Mesmerismus in einigen wenigen Fällen den Beweis erbracht hat, daß er ein königlicher Weg zu mancherlei Kenntnissen ist; wissen Sie aber, daß er sich noch öfter als Irrweg erwiesen hat, der zu Skeptizismus und Zweifel führt? Und daher rate ich Ihnen, allen diesen Wegen zu mißtrauen, und dies umsomehr, als jedes menschliche Wesen, das seine Tierheit überwunden hat, in sich selbst Kräfte und Fähigkeiten besitzt, die, wenn nur für ihre Ausbildung genügend Sorge getragen wird, schließlich für alle Mühe reichlich belohnen. Der aber ist ein Narr, der sich selbst verläßt, mesmerische Behandlung oder Arzneien oder dergleichen anwendet und dadurch unter den Boden der Außenwelt sinkt, ohne die wahre Feuerseele erreichen zu können.«