»Vollkommen – vollkommen! Es könnte nicht besser sein.«
»Ihr werdet vierzehn Mann rings um das Haus aufstellen, um die Fenster zu bewachen und die übrigen dreizehn verteilt Ihr auf die Treppe und die Treppenabsätze«, sagte der Kommissär zu dem Sergeanten.
»Soll geschehen«, erwiderte dieser und führte seine Leute wieder aus dem Zimmer – aber nicht bevor ich ihm eine doppelläufige Pistole und einen Revolver, beide frisch geladen und mit neuen Zündhütchen versehen, gegeben hatte – denn ich haßte Ravalette, mochte er ein Mensch oder ein Teufel sein, ich haßte ihn mit einem religiösen Haß – und dies ist wohl der glühendste Haß, den es gibt –; ich hatte den lebhaften Wunsch, zu erproben, ob er kugelfest sei oder nicht.
Während dieser ganzen Zeit hatten der Vater, die Tochter, Beverly, ich und die beiden Gefährten des Kommissärs nichts gesagt; auf ein Zeichen Ravalettes jedoch setzten wir uns nieder, und zwar so, daß wir die Tür zwischen den beiden Zimmern, den Alkoven, den Kredenztisch und die Fenster an beiden Seiten übersehen konnten. Der Kommissär stellte nun den Bettschirm mit der konvexen Seite gegen uns in der Mitte des Zimmers auf, nahm dann neben mir Platz und sagte, daß er nunmehr das seinige getan hätte. Die Blässe seiner Lippen, der Ton, in dem er sprach und die Häufigkeit, mit der er sich bekreuzte und Gebete in schlechtem Französisch und noch schlechterem Latein murmelte, zeigten deutlich, daß er wünschte, es möchte alles vorüber sein.
»Ich bin fertig,« sagte Ravalette, »ich, der ich nichts mehr zu verbergen habe, erkläre, daß ich derjenige bin, den jener Mann – Im Hokeis und sein Parsenstamm – jahrhundertelang für den Gott des Feuers und der Flamme gehalten hat. Das Geheimnis meines Seins kann noch nicht entschleiert werden. Ich bin nicht allein! Die Herrschaft über die Magie und die Materie ist eine Erbschaft von Menschenaltern. Wir, die wir einst wie die anderen waren, wurden verdammt durch den Fluch eines Sterbenden wie Isaak Ahasverus, der Jude von Jerusalem, der den Herrn verspottete und anspie, als er sein Kreuz auf dem Schmerzenswege trug, und den er, der Sanftmütige, verfluchte, auf der Erde zu weilen, bis er wieder komme. So mächtig wir in allem anderen sind, kann doch keiner von uns seine eigene Zukunft erforschen: nur besonders Begabte können es, wie dieser Beverly hier. Solche aber werden selten geboren; wenn sie aber geboren werden, so gibt es nur eine Möglichkeit, sie uns dienstbar zu machen; sie müssen im Geiste unvermählt bleiben, sonst können sie nicht den Schlaf Sialam schlafen und auf keine andere Weise können wir das Buch unseres Schicksals enträtseln. Daher die Hindernisse, die wir ihm und jenem Mädchen in den Weg gelegt haben … Es ist möglich, unser Schicksal auf ein neutrales Wesen abzuwälzen, wer immer es auch sein mag. In diesem Falle aber bestand ein starker Beweggrund, jenem Manne die Jahrhunderte aufzubürden, der mein Zeitgenosse gewesen ist, seit Epochen, die weit vor der Erbauung von Babylon und Ninive liegen.
Noch einer dieser Art ist am Leben – und bei ihm ist mir mein Plan mißlungen – es ist der Fremde – und noch jemand gibt es: die Mutter dieses Beverly. Ich hoffte, ihn durch Magie zu gewinnen: es ist nicht gelungen. Er hat mich so gesehen, wie ich jetzt bin –« und bei diesen Worten ging er um den Bettschirm herum bis zur andern Ecke und sagte: »Und so.« Wir waren über alle Maßen erstaunt über die Veränderung, die in weniger als zwölf Sekunden vor sich gegangen war:
Ravalette war verschwunden und an seiner Stelle sahen wir einen mageren, dürren, runzligen kleinen Mann, in jeder Beziehung das gerade Gegenteil Ravalettes. »Miakus! so wahr ich lebe – der Mann von Portland und Boston – er ist es!« rief Beverly, als die Gestalt bereits abermals um den Bettschirm herumging, sich von neuem veränderte, »und so!« sagte. »Beim Himmel!« schrie Beverly, »das ist Ettelavar, mein mysteriöser Führer und Lehrer im Reiche des Traums!«
Und schon war eine neue Veränderung erfolgt und mit den Worten: »Und so!« erschienen nacheinander der italienische Graf und Vatterale. In dieser letzten Gestalt sagte er: »Nibchi ist nur eine Umstellung von »Ich bin«, Miakus heißt: »Ich selbst«, Vatterale ist ein Anagramm aus Ravalette und jeder Schuljunge hätte euch sagen können, daß Ettelavar die Umkehrung dieses Namens ist – dieses Namens, der bedeutet: »der Geheimnisvolle«. Für dich, Beverly, bin ich all dies gewesen. Sieh mich jetzt als das, was ich wirklich bin!« Damit ging er abermals um den Schirm herum und erschien als ein kleiner alter Mann, der vom Kopf bis zum Fuß in flammendes Rot gekleidet war.
»Der Vampir: Dhoula Bel!« schrien Beverly und Im Hokeis zugleich.