Fig. 128. Borden- und Füllstempel von Athos-Buchdecken. Sammlung Bock.
Maureske Füllung von Peter Flötner.
ZWEITER ABSCHNITT.
Der Lederband mit Goldverzierung.
(Renaissance-Band.)
1. Der orientalische Einband.
Auf dem Gebiete der Flächendekoration ist der Orient in mehr als einer Hinsicht der Lehrmeister des Abendlandes gewesen. Das Wort Arabeske, mit welchem wir gewisse Schmuckformen bezeichnen, bei denen sich verschlingende und durchkreuzende Linien ein scheinbar regelloses und doch von einem festen geometrischen Gesetze beherrschtes Spiel treiben, deutet schon den Ursprung der eigentümlichen Art von Flächenmusterung an, die vor allem in der Weberei sich geltend machte und von den Webstoffen auf andere Materialien übertragen wurde. So auch auf das Leder und die Lederdecke des Buches.
Fig. 129. Persischer Korandeckel. 17. Jahrh. Düsseldorf.
Der auffälligste Unterschied zwischen der deutschen (blindgepreßten) Decke und der orientalischen ist die bei der letzteren die Regel bildende Vergoldung des Ornaments und die teppichartige allseitig symmetrische (zentralisierte) Anordnung des letzteren bei lebhafter Betonung der Umrahmung im Gegensatz zu der umrahmten Fläche, auf der wiederum die Mitte durch ein mandel- oder kreisförmiges Feld mit reicher Musterung, auch wohl durch ein rosetten- oder sternförmiges Motiv ausgezeichnet wird. In der Regel sind auch die vier Ecken des Spiegels mit einer Arabeske ausgefüllt, die in ihrer Bewegung der Grundform des Mittelzierstücks entspricht. Ist dieses länglich, so dehnen sich die Eckstücke an den Längsseiten weiter aus als an den Querseiten, so daß bei Verbindung der Endpunkte ein ungleichseitiges Rechteck entsteht; ist es rund oder ein regelmäßiges Vieleck, so wird das Eckornament in ein gleichseitiges Rechteck gespannt. (Vergl. [Fig. 129] und [130].) Derselbe Sinn für einen harmonischen Gesamteindruck bekundet sich auch in den mit einer Blume gefüllten kleinen Feldern, die nur als Begleitung von mandelförmigen Mittelstücken vorkommen und mit der Spitze des blattförmigen Umrisses nach oben, bez. nach unten weisen ([Fig. 129]). Bisweilen ist der Spiegel in seiner ganzen Ausdehnung mit einem von der Mitte ausstrahlenden geometrischen Linienspiel, in welches wieder gebogene Linien eingreifen, überzogen und der Grund durchweg gepunzt hier mit größeren, dort mit kleineren Punzen, so daß die Mitte und die Ecken minder scharf hervortreten. Diese mosaikartige Musterung, der maurischen Wanddekoration entlehnt, zeigt unsere Abbildung ([Fig. 131]).