Fig. 130. Arabischer Einband mit Punzen-, Stempel- und Rollendruck. Düsseldorf.

Fig. 131. Arabischer Einband mit Rollen-Blinddruck. Handvergoldung und Punzierung. Mitte des 16. Jahrh. Düsseldorf.

Die Bücher haben vorwiegend schlanke Formate, so daß die Spiegel dem Buchbinder für seinen Verzierungsentwurf nicht immer bequem gestaltet waren. Er verkürzt die Fläche dann ähnlich, wie wir es bei den deutschen Einbänden gesehen, durch Einschiebung eines Frieses zwischen den Querschenkeln des Rahmens und dem Spiegel ([Fig. 132]) oder trennt oben und unten einen schmalen Streifen mit einer Linie ab ([Fig. 131]).

Bemerkenswert ist bei der allseitig symmetrisch entwickelten Ornamentation der Grundsatz, die einzelnen Elemente der Musterung zu einem Ganzen zu verweben, aus dem keins derselben in scharfer Weise sich abhebt. Zwischen Mittelstück und Eckstücken herrscht stets ein gewisser Einklang. Erscheint dort die Pflanzenform in Ranken- und Blattwerk, so findet sie sich auch hier; bilden dort Bandverschlingungen (Geriemsel) die Füllung, so treten diese auch hier auf. Auch in der Borde klingt mitunter das Muster des Mittelstücks wieder an ([Fig. 129]). Gewöhnlich zeigt die Rahmung den Wechsel von Saum und Naht, diese als gedrehte oder geflochtene Schnur charakterisiert oder durch glatte Linien bezeichnet, jener als breitere Borde aus sich stetig wiederholenden, linearen Motiven zusammengesetzt oder zu einer Blattranke mit längeren Rapporten entwickelt.

Ehe wir uns den bei der Flächenmusterung beobachteten technischen Verfahren zuwenden, dürfte hier ein Wort über die äußere Gestalt des orientalischen Buches und Eigentümlichkeiten der Bindung desselben am Platze sein.

Von der im Orient beobachteten Heftung ist bereits die Rede gewesen ([S. 32]). Die Decke besteht aus Pappe (vergl. [S. 88]) und hat genau die Größe des Buchkörpers, steht also nicht mit den Kanten darüber hinaus, wie es im Abendlande von jeher üblich war. Da die Pappeinlage nicht sehr stark ist, so liegt auch kein Bedürfnis zur Abschrägung der Kantenränder vor, wie es bei der Holzeinlage des deutschen Einbandes der Fall ist. Um die Verbindung zwischen Buchkörper und Decke herzustellen, wird der Rücken des ersteren mit einem Stück Zeug (Baumwolle oder Leinwand) überklebt, das breit genug ist, um mit seinen überstehenden »fliegenden« Seitenteilen an die Decke festgeklebt werden zu können. Als Klebemittel wird ein Pflanzenstoff ähnlich dem Dextrin verwendet.