Der Schnitt ist in den meisten Fällen ungefärbt. Indes kommen auch farbige Schnitte vor, die mit dem Pinsel hergestellt sind und eine geflammte Musterung haben ([Fig. 133]).

Fig. 132. Arabischer Einband mit Fächerornament. Düsseldorf.

Die Decke ist stets mit einer überschlagenden Klappe versehen, ähnlich wie bei Brieftaschen ([Fig. 134]). Diese Klappe ist beiderseits abgeschrägt, so daß sie nicht mit einer geraden Linie, sondern stumpfwinkelig abschneidet. Die Spitze der Klappe trifft immer genau auf die Mitte des Vorderdeckels und die Musterung derselben läuft bei reicheren Verzierungen häufig ununterbrochen in die Musterung des Deckels über. Unsere Abbildung ([Fig. 135]) zeigt etwas mehr als die Hälfte einer besonders reich verzierten Klappe, bei der der Grund des Spiegels ebenfalls vollständig ornamentiert ist.

Fig. 133. Orientalischer Buchschnitt.

Die Verzierungen wurden in den arabischen Teilen Nordafrikas aufgedruckt (blind und vergoldet) und zwar mit Streicheisen, Rolle und Stempeln oder Punzen, im übrigen osmanischen Orient und in Persien mit einer aus einem Stück Kamelshaut hergestellten Matrize als erhabene Zeichnung hervorgebracht. Das letztere, nur bei Eck- und Mittelstücken angewendete Verfahren ist aber in vielen Fällen auch mit Metallmatrizen ausgeführt worden. Die Lederteile, welche gepreßt werden sollten, wurden aus dem für den Einband zugerichteten Leder herausgeschnitten und erhielten nach der Ausschärfung dadurch eine erhabene Musterung, daß man das gefeuchtete Leder mit der Vorderseite auf die Matrize auflegte und von der Rückseite in die geschnittenen Verzierungen hineinarbeitete. Um den Grund, der in der Regel ganz fein punziert wurde, zu vergolden, überging man die Oberfläche der Matrize vor der Pressung mit einem Firnis, der beim Druck auf der Fläche haften blieb und den nachher darüber gepuderten Goldstaub festhielt, während die erhabene, vom Firnis nicht berührte Zeichnung die Farbe des Leders behielt. Umgekehrt vergoldete man das Ornament und ließ den Grund in Lederfarbe, oder die ganze Fläche, Grund und Ornament, wurde vergoldet, selbst mit mehrfarbigem Golde auf einer Fläche. Statt des vom Grunde abgelösten Lederstücks setzte man auch wohl anders gefärbtes, meist rotes Leder ein, um eine lebhaftere Farbenwirkung zu erzielen. Den Zusammenstoß des eingelegten Lederstücks mit dem Grundleder wußte man mit einer Goldlinie zu decken, die aus freier Hand mit dem Pinsel gezogen wurde. Der Umriß des auf diese Weise verzierten Feldes ist stets wellenförmig bewegt und jede Einbuchtung mit einem Zierstrich besetzt, so daß das Ornament wie mit einem Strahlenkranz umgeben erscheint ([Fig. 136]).

Fig. 134. Arabischer Buchdeckel. Stempel-, Punzen- und Rollendruck. 16. Jahrh.