Fig. 135. Teil einer Deckelklappe von einem persischen Koran. 17. Jahrh. Düsseldorf.
Fig. 136. Persischer Einband. 17. Jahrh. Düsseldorfer Museum.
Das Aufstäuben und das Aufmalen des Goldes mit dem Pinsel findet sich stets gleichzeitig auf einer Platte angewendet, mit Matrize hergestellte Ornamente sind aufgestäubt, alle gepunzten oder gezogenen Borden mit dem Pinsel ausgemalt. Dagegen fand auch statt des Staubgoldes Blattgold hin und wieder Anwendung; so ist [Fig. 135] in dieser Weise hergestellt. Das Auftragen des Goldes mit erwärmten Werkzeugen, wie es bei den Mauren und Sarazenen in Spanien und Sizilien üblich war, scheinen die Perser und die von ihnen zur Kunst erzogenen Türken nicht gekannt zu haben.
Der Stift spielt bei der Herstellung der Deckenverzierung eine Hauptrolle. Mit ihm werden die Linien vorgerissen und die Strahlen um die ornamentierten Felder hervorgebracht, er dient auch zum Nachvergolden und Glätten der Goldlinien. Auf manchen Einbanddecken ist nur mit Stift und Punzen gearbeitet. Es ist erstaunlich, mit welcher Kunstfertigkeit und Geduld die Orientalen mit ein paar Stempeln, einer geraden und einigen gebogenen Linien die mannigfaltigsten, in der verschiedensten Weise sich verschlingenden Ornamente hervorbringen, bei denen Anfang und Ende sich decken und keine Unregelmäßigkeit den Zug der Linien unterbricht ([Fig. 130], Mittel- und Eckstück). Die gemusterte Rolle führt indeß auch bei ihnen ganz wie in Deutschland zu einer Mißbildung an den Ecken, wo Längs- mit Querborden unvermittelt zusammenstoßen.
Kaum geringere, ja oft größere Sorgfalt als auf die Außenseite verwandte man auf die Innenseite des Deckels und der zugehörigen Klappe, insbesondere bei den zum gottesdienstlichen Gebrauche dienenden Handschriften. Das Lederornament ist dabei nicht geprägt, sondern aus ganz fein geschärftem Ziegenleder ausgeschnitten, eine bei den zierlichen Formen des Blattwerks unendlich mühsame Arbeit, die vermutlich mit Hilfe einer Metall- oder Fayencetafel ausgeführt wurde, auf die man das Leder mit der Fleischseite aufklebte. Das so gewonnene Netz wurde dann über die vorher blau oder rot gefärbte Stelle geklebt, für die es bestimmt war. ([Fig. 137].) Sowohl Eck- und Mittelstücke als auch die Borde erhielten solche Einsätze, die in der Regel die schwarze Lederfarbe zeigen, aber auch mitunter vergoldet sind. Die Borde wurde aus einzelnen aneinander gestoßenen Stücken gebildet, wofern sie nicht gefeldert war. An Stelle der Färbung des Grundes gab man dem Ornament auch wohl eine Unterlage von farbiger Seide oder Goldpapier. Übrigens sind diese durchbrochenen Ornamente nicht immer mit der Hand geschnitten: bei Büchern jüngeren Datums ist bereits die Stanze benutzt worden, was sich an den gestauchten Schnittkanten deutlich wahrnehmen läßt.
Geringere Einbände erhielten statt des Lederspiegels gewöhnlich einen Vorsatz von orangegelbem, auch wohl marmorierten oder gesprenkelten Papier. Eine Ausnahme machen jedoch die maurischen Einbände, welche stets ein mit dem Model auf nasses Leder gepreßtes Vorsatz aufweisen; das gepreßte Ornament erscheint dadurch glänzend dunkel. In der Musterung desselben zeigt sich wiederum ein unendlicher Reichtum an ornamentalen Gedanken, wie schon aus den wenigen Proben zu ersehen ist, die wir in Abbildung beifügen. ([Fig. 138–141].)