Fig. 173. Einband mit farbiger Auflage von Padeloup. 18. Jahrh. (Nach Gaz. des Beaux-Arts.)

Die Verzierung mit feingliederigen Stempeln führte die Bezeichnung »à petits fers«, die zusammengesetzten Spitzenborden hießen »à dentelle«. Außerdem fand auch die Musterung à l’éventail, die fächerartige Verzierung, in Frankreich Eingang, die zu jener Zeit vorzugsweise in Deutschland zur Entwickelung kam und gern die ganze Buchfläche überwucherte. In Frankreich war man mit dieser Zierweise sparsamer und begnügte sich ebenso wie in Italien meistens nur Ecken und Mitte, jene mit einer Viertel-, diese mit einer vollen, fächerartig gebildeten Rosette zu bedrucken. Zur Verlängerung der Fächerstrahlen wurden dann noch kleine Spitzenstempel hier und da angesetzt. Einen im einzelnen wie in der Gesamtanordnung des Zierwerks besonders schönen Band der Art mit einem bischöflichen Wappen geben wir in [Fig. 171] wieder.

Fig. 174. Französischer Mosaikband. Um 1710. (Nach Gaz. des Beaux-Arts.)

Fig. 175. Silberplattierter Einband. Um 1750. Stuttgart, Gewerbemuseum.

Im 18. Jahrhundert begegnen wir noch einigen Berühmtheiten in der französischen Buchbinderei. Dérome und Padeloup sind vielgenannte Namen von Buchbinderfamilien, auch die Namen Dubuisson und Thouvenin haben noch guten Klang bei den Bücherliebhabern unserer Zeit. Es kommen neue Stempelformen auf und neue Zusammenstellungen der alten und neuen Zierstücke und Stückchen, aber es wird nichts von durchgreifender Bedeutung mehr geschaffen. Von den Versuchen Déromes, einen originellen Zug in das Spitzenornament zu bringen, mag unsere Abbildung ([Fig. 172]) einen Begriff geben; von den Mitteln, mit denen Padeloup die Brillantschmuckformen auf die Buchdecke zu übertragen und mit farbiger Mosaik zu wirken wußte, gibt [Fig. 173] eine annähernde Vorstellung. Die an den Rändern als »Kante« hinlaufende Spitzenborde bildet im 18. Jahrhundert häufig den einzigen Schmuck der Decke, deren mittlere Fläche wie bei dem Spiegel der Innenseiten schmucklos sind.

Was das 18. Jahrhundert der Buchbinderei an neuen Dekorationsmitteln brachte, war eine Fülle von verschiedenartigen Vorsatzpapieren mit unbegrenzten (Tapeten-) Mustern. Sonderbarerweise findet sich das unbegrenzte Muster auch auf den Decken ein, und zwar als »Mosaik«, d. h. in aufgelegter Arbeit, ein Zeichen für die völlige Ermattung des Stilgefühls. ([Fig. 174].) An Stelle des Leders wird mehr und mehr Seide mit Stickerei und Flitterwerk als Überzug der Decke verwendet.

Das graziöse und kapriziöse Formenwesen des Rokoko, das vom Stuck sich auf alle Gebiete des Kunsthandwerks übertrug, ist an der Buchbinderei nahezu spurlos vorübergegangen. Nur bei dem mit Silber plattierten Einbänden macht es sich und zwar in sehr ausgesprochener Weise ([Fig. 175]) geltend.