Randverzierung von einem sächsischen Einbande. 16. Jahrh. Dresden.

4. Der Renaissanceband in Deutschland und England.

Erst um die Mitte des 16. Jahrhunderts fand in Deutschland die Handvergoldung Eingang und mit ihr die im Sinne des italienischen Renaissancebandes veränderte Anordnung des Zierats. Der althergebrachte »weiße« Einband mit Blindpressung auf Pergament oder Schweinsleder (vergl. [S. 170]) behauptet aber nebenher seine Geltung als bürgerlicher oder Buchhändlerband und verschwindet erst im 18. Jahrhundert aus dem litterarischen Verkehr.

Kaum minder zähe hielt die deutsche Sitte an dem Holzdeckel fest, der bei großen und schweren Bänden bis tief ins 18. Jahrhundert in Übung blieb, auch in Fällen, wo statt der Blindpressung eine reiche Verzierung in Golddruck beliebt wurde. Ja selbst im 19. Jahrhundert verwandte man noch sog. Spaltendeckel.

Ebenso galt das Beschläge lange noch für einen unerläßlichen Schmuck an Bänden vornehmer Art und fand sich auch auf den mit Pappeinlage versehenen Deckeln ein, obwohl an seine ursprüngliche Bedeutung als Schutzmittel gegen Stoß und Reibung kaum noch gedacht wurde.

Auch an den hohen Bünden und der durch die Bundwülste gegebenen Einteilung des Rückens hielt der deutsche Einband mit Ausdauer fest, als in Frankreich und Italien schon längst der glatte Rücken an der Tagesordnung war.

Unter den deutschen Renaissancebänden mit Handvergoldung lassen sich zwei Typen deutlich unterscheiden; der eine ist durch die aus einer Platte hergestellten Eckstücke und durch das ebenfalls als Platte erscheinende Mittelstück charakterisiert, der andere durch die nach italienisch-französischer Art aus kleinen Stempeln »komponierten« Muster für Mitte und Ecken oder auch für die ganze Fläche der Decke.

Die Platten- oder Stockdruckverzierung kommt meistens in Verbindung mit dem Rollendruck vor und nur ungern scheinen die deutschen Buchbinder das zur Bordenbildung bequeme Werkzeug beiseite gelegt zu haben. ([Fig. 176].) Die gemusterte Borde, die bei der Blindpressung fortdauernd die Hauptrolle spielt, treffen wir daher noch oft auf deutschen Renaissancebänden, wenn auch nicht mehr in der Breite, die ihr ehedem eingeräumt war.