1. Das Streicheisen, von welchem schon die Rede war, zeigte nach einer Abbildung von Jobst Amman im 16. Jahrhundert die Form einer spitz zulaufenden Schaufel und zog auf der einen Seite einen doppelten, auf der anderen einen dreifachen Strich. Heutzutage unterscheidet man die deutsche und die französische Form. Erstere ist da zweckmäßig, wo es sich um gebogene Linien handelt, letztere (vergl. [Fig. 64] unten links) ist vorteilhaft bei geraden Linien, besonders wenn bedeutende Kraft bei der Arbeit erforderlich ist. Die Streicheisen haben ein langes Heft, dessen Ende gegen die Schulter gestemmt werden kann. Beim Gebrauch werden sie erwärmt, da sonst der Strich nicht blank werden würde, dürfen aber nicht allzu heiß sein, damit sie den Grund nicht versengen. Zweckmäßige Wärmvorrichtungen für Streicheisen, Stempel u. s. w. liefert die Firma Wilh. Leo in Stuttgart. ([Fig. 65]).

Fig. 63. Deutsches Streicheisen.

Fig. 64. Streicheisen, Rolle, Stempel und Filete.

Fig. 65. Wärmapparate von Wilh. Leo in Stuttgart.

Das Leder wird an den Stellen, die zu streichen sind, mit einem in reines Wasser getauchten Schwamme gefeuchtet. Sind nur einzelne Teile, Linien oder Bogen zu streichen, so wird die leicht vorgemerkte Stelle mit einem Haarpinsel gefeuchtet. Nachdem das Leder trocken geworden ist, werden alle Striche nochmals mit einem etwas wärmeren Eisen nachgestrichen. Der Strich erscheint dann auf hellem Leder dunkel und zeichnet sich bei dunklem Leder immer noch durch sein blankes Aussehen von dem Grunde ab. Wenn der Glanz mit dem wiederholten Streichen noch nicht erreicht wird, muß nochmals nachgestrichen, nötigen Falls auch das Leder noch einmal gefeuchtet werden.

2. Die Stempel sind in Hartmetall graviert und mit einem hölzernen Handgriff versehen. Sie dienen dazu, kleine Figuren in das Leder einzudrucken. Diese Figuren stellen entweder ein kleines, geschlossenes Ornament von meist quadratischer, auch kreisrunder und länglicher Grundform dar, oder kleine Zierformen (Blüten, Blätter, auch Ranken oder sog. Schnecken), mit denen sich durch Neben- und Aneinanderdruck größere Verzierungen, wie sie gerade für den gegebenen Raum passen, zusammenstellen lassen. Die Stempelfläche ist nicht ganz eben, sondern nach der Mitte zu etwas erhaben, wodurch ein schärferes Ausdrucken des Musters ermöglicht wird.

3. Die Rolle ist eine kreisrunde Scheibe aus Rotguß bis zu 1½ cm dick und mit 4–8 cm Durchmesser, deren Achse eine Führung hat, die wiederum mit einem Hefte versehen ist ([Fig. 64] rechts). Mit dem Hefte wird die Rolle wie ein Rad über das Leder bewegt, so daß sich das in die Umfangsfläche eingeschnittene Ornament abwickelt und auf dem Leder abdruckt. Ursprünglich war die Rolle nur für glatte Linien eingerichtet, an deren Stelle nach und nach eine mehr oder weniger reiche Musterung mit sich stets wiederholenden Motiven trat. Die gemusterte Rolle dient vornehmlich zur Herstellung der mit den Rändern des Deckels parallel laufenden Einfassungen oder Borden.