4. Die Filete ([Fig. 64] in der Mitte) ist ein Druckwerkzeug in Form einer Leiste, jedoch mit etwas gebogener Druckfläche. Wie schon der Name erkennen läßt, ist die Filete französischen Ursprungs, und als Erfinder wird ein Pierre Gaillard genannt. Sie hat wie die Rolle auf der Druckfläche eine oder mehrere erhabene Linien oder aber ein fortlaufendes Ornament mit sich wiederholenden Motiven und wird mit Vorteil namentlich für die Ornamentierung des Buchrückens verwendet, ersetzt aber auch die Rolle.
Zu diesen vier Druckwerkzeugen kommt noch die gravierte Platte, die sowohl als abgepaßte Platte für bestimmte Buchgrößen oder als zusammenstellbare Platte für die verschiedensten Formate benutzt wird. Zum Aufdruck bedient man sich heutzutage nur noch eiserner Pressen mit Hebeldruck, Schwungrad oder Balancier.
Der Blinddruck mit Streicheisen, Stempeln u. s. w. erfordert außer der Vorzeichnung der Verzierung auf Papier und der Abzirkelung derselben auf der Decke keine besonderen Vorbereitungen. Etwaige Hilfslinien werden vor dem Druck mit Lineal und Falzbein vorgezogen. Beim Bedrucken der inneren Kanten der Decke ist es erforderlich, den Deckel zurückzuschlagen und flach auf eine feste Unterlage zu legen; der Druck erfolgt also bei offenem Deckel.
Beim Bedrucken des Rückens wird das Buch in eine sog. Klotzpresse gespannt, eine kleine hölzerne Vorrichtung, die auf den Tisch gestellt wird. An ihrer Stelle benutzt man jetzt vielfach eine zum Anschrauben an die Tischkante eingerichtete Vorrichtung aus Eisen, die ein bequemes Drehen und Wenden des Oberteils mit dem eingespannten Buche gestattet ([Fig. 66]).
Zum Bedrucken des Rückens eignet sich, wie schon bemerkt, die Filete besser als die Rolle; für den glatten Liniendruck ist dabei die Filete dem Streicheisen vorzuziehen. Aus diesem Grunde ist es zweckmäßig, bei Anschaffung dieser Werkzeuge darauf zu sehen, daß Linienfileten und Streicheisen zusammenpassen. Beide müssen in der Werkstatt in verschiedenen Stärken, d. h. auf jede ein- oder mehrfache Linienfilete ein gleichartiges Streicheisen vorhanden sein. Die untenstehend bezeichneten Nummern 1–5 genügen für den gewöhnlichen Gebrauch. Weitere Nummern vereinfachen die Arbeit.
Fig. 66. Klemmvorrichtung von Wilh. Leo in Stuttgart.
Am besten nimmt sich der Blinddruck auf naturfarbigem Schweinsleder (sog. Schweinssaffian) aus, steht auch gut auf mattem Kalbleder von nicht zu dunkler Färbung. Schafleder eignet sich nicht für Blinddruck.
Bevor man zum Bedrucken der Decke übergeht, hat man, wie schon oben bemerkt, einen Entwurf für die Verzierung auf Papier aufzuzeichnen und nach diesem die Linienabstände sowie die Anordnung der Stempel auf die Decke zu übertragen, wozu man sich des Falzbeins bedient. Die ganze Fläche wird nun mit einem mäßig nassen Schwamme leicht überfahren, so daß die Feuchtigkeit in kurzer Zeit wieder verschwindet. Nach etwa fünf Minuten wird das Feuchten wiederholt, und nun beginnt die Streich- und Druckarbeit, deren Verlauf wir an einem Beispiel, einem in gotischem Stile zu verzierenden Bande, erläutern wollen. Der Entwurf ([Fig. 67]) beschränkt sich, abgesehen von dem in Lederschnitt herzustellenden Mittelfelde, auf die Anwendung von drei Stempeln ([Fig. 68] a, b und d) und der Dreilinie des Streicheisens. Die Dreilinie kommt zunächst an die Reihe. Auf dem Wärmapparate heiß gemacht, wird sie in einer flachen Schale mit Wasser und einem Schwamme »abgelöscht«, d. h. mit dem letzteren in Berührung gebracht, wobei ein leicht zischender Ton sich bemerkbar machen muß; sodann streicht man sie über ein gewachstes Stück Leder und führt sie nun am Lineal der Vormerkung gemäß hin.