Fig. 67. Modern-gotischer Einband.

Das beste Material für das Lineal ist, nebenbei bemerkt, Zinkblech. Dasselbe liegt gut und fest auf dem Leder auf, ist leicht und nimmt, im Gegensatze zum Holz, keine Feuchtigkeit an, hinterläßt auch keine Flecken. Eiserne Lineale dürfen mit feuchtem Leder überhaupt nicht in Berührung gebracht werden, da der chemische Prozess, der sich dabei entwickelt, sogleich schwarze Flecke zur Folge hat.

Beim Ansetzen des Streicheisens darf man sich nicht lange besinnen. Wenn die Striche nicht flott hintereinander an den betreffenden Stellen gezogen werden, so verdunstet die Feuchtigkeit des Leders, der Strich wird nicht dunkel und nicht glänzend; das Feuchten und Streichen muß also wiederholt werden. Ist das Leder zu trocken oder das Eisen zu kalt, so wird der Zweck des Streichens verfehlt. Schlimmer als ein zu kaltes ist ein zu heißes Eisen, da dieses die Oberfläche verbrennt, so daß sie zusammenschrumpft und schwarz wird, ein Fehler, der sich auf keine Weise wieder gutmachen läßt. Auf naturfarbigem Kalbleder soll der Blinddruck glänzend kastanienbraun erscheinen.

Fig. 68. Gotische Stempel.

Fig. 69. Randverzierung in Blinddruck.

Durch das wiederholte Anfeuchten werden die blindgedruckten Stellen wieder etwas heller, verlieren auch den Glanz. Doch schadet dieses insofern nicht, als nachträglich alles nochmals nachgedruckt wird.

Nachdem das Streicheisen seinen Dienst verrichtet hat, kommen die Stempel einer nach dem andern an die Reihe. Der dreieckige Stempel füllt die Rauten und die halben Rauten abwechselnd mit dem eine halbe Kreuzform darstellenden Stempel, der auch zur Umrahmung benutzt wird. Hier bildet er eine Reihe von Vielecken, die nachher mit der Rosette ausgefüllt werden. Wer noch ungeübt in der Handhabung der Stempel ist, thut gut daran, jeden Stempel zunächst ungewärmt und leicht vorzudrucken, dann das Leder nochmals zu feuchten und nun mit dem warmen Stempel den Druck zu wiederholen, bis der Farbenton die richtige Tiefe hat. Auf die Gleichmäßigkeit des Farbentons ist besonderes Gewicht zu legen, da der gefällige Eindruck der Verzierung zum Teil durch das gleichmäßige Aussehen bedingt ist.