Fig. 70. Moderner Renaissanceband mit Blinddruckverzierung.
Wie schon bemerkt, wird die ganze Decke, nachdem sie ihre vollständige Verzierung erhalten hat, noch einmal mit dem Streicheisen sowohl wie mit den Stempeln übergangen, wobei die Werkzeuge etwas wärmer sein sollen als bei dem ersten Druck. Daß diese, wie vorher, jedesmal vor dem Ansetzen über ein gewachstes, auf ein Stück Pappe geklebtes Leder gestrichen werden müssen, braucht kaum besonders erwähnt werden. Das Streicheisen muß bei dieser nochmaligen Behandlung der Decke mit besonderer Vorsicht geführt werden, um das sog. Dublieren der Linien zu vermeiden, das der Arbeit ein liederliches Aussehen verleiht.
Das Bedrucken des Rückens erfolgt ganz in derselben Weise. Die Stempel werden vorgezeichnet, dann kalt und leicht vorgedruckt, und der Druck mit dem warmen Stempel wiederholt. In unserem Falle sind an den Bünden mit der Filete Doppellinien gedruckt, die sich bis auf die Decke fortsetzen.
Um zu zeigen, in welch verschiedener Weise ein und derselbe Stempel zur Bildung von Verzierungen verwendet werden kann, geben wir zwei Zusammenstellungen von zwei Stempeln, die bei dem uns vorhin beschäftigenden Bande zur Musterung verwendet wurden in der Kopfleiste [S. 170] und in [Fig. 69].
Zur weiteren Veranschaulichung der Kunst, mit dem Streicheisen und wenigen Stempeln den Deckel in Blinddruck zu verzieren, möge die Abbildung [Fig. 70] dienen. Die hier verwendeten spitzenartigen Motive sind im Sinne der italienischen und französischen Renaissance gedacht.
Bei den im Stilcharakter der Gotik und Frührenaissance behandelten Bänden pflegt man die Kanten der Decke, namentlich wenn es sich um größere Formate handelt, abzuschrägen. Um der schrägen Kante ein mit der blinden Verzierung der Decke übereinstimmendes Aussehen zu geben, wird sie mit einem kleinen Glättkolben ([Fig. 71]), der zu diesem Zweck mäßig erwärmt werden muß, ausgeglättet. Selbstverständlich wird das Leder vorher mit dem Schwamme gefeuchtet und das Glätten, wenn nötig, wiederholt, bis der entsprechende dunkle Ton erreicht ist.
Fig. 71. Kleiner Glättkolben.