Gotische Randverzierung.

2. Die Vergoldung und farbige Verzierung der Decke. Nachträgliches.

Auswaschen, Grundieren und Kleistern des Leders. — Ledersorten. — Rückenvergoldung. — Äußere und innere Deckelvergoldung. — Ledermosaik und Bemalung. — Pressendruck auf Leder, Kaliko, Samt. — Färbung und Marmorierung des Leders. — Verarbeitung des Pergaments und des Samts.

Die Handvergoldung, d. h. das Aufdrucken von Stempelverzierungen auf Leder unter Anwendung von Blattgold war schon in spätrömischer Zeit bekannt. Zur Verzierung von Buchdecken wurde sie zuerst im Orient verwendet, von dem das Abendland überhaupt die kunstvolle Bearbeitung des Leders erlernt hat.

Den ältesten Ledervergoldungen auf europäischem Boden begegnen wir in Italien. Sie erscheinen matt und grieselig, was sich aus dem Umstande erklärt, daß das Gold auf das feuchte Leder ohne vorherige Grundierung aufgetragen wurde. Erst im Laufe der Zeit kam man darauf, dem Leder einen Leim- oder Eiweißgrund zu geben, wie solcher noch heute angewendet wird.

Dem Grundieren voraus geht das Auswaschen und in bestimmten Fällen das Kleistern des Leders.

Das Auswaschen geschieht mit einem Schwamm und reinem Wasser, in besonderen Fällen auch mit Essig. Der Zweck des Waschens ist nicht nur, das Leder von etwa an demselben haftenden Unreinigkeiten zu befreien, sondern ihm den Grad von Feuchtigkeit zu verleihen, den es haben muß, wenn das Gold gut »halten« soll. Auf trockenem Leder läßt sich auch nicht der lebhafte Glanz des Goldes erzielen; es »steht« nicht, wie der Kunstausdruck lautet.

Zum Auswaschen bedient man sich auch mit gutem Erfolge einer Beize, die zu zwanzig Teilen aus Kornbranntwein, einem Teil Scheidewasser und einem Teil Meerzwiebelsaft besteht, und der man auch noch einige Tropfen Ammoniak zuzusetzen pflegt. Das Waschen mit dieser Beize erhält selbst an heißen Tagen den Grund einige Stunden lang frisch, so daß langsamer gedruckt werden kann. Auch brauchen die Stempel weniger heiß zu sein, wodurch die Schönheit der Vergoldung wesentlich gewinnt.