Das Kleistern ist nur bei Ledersorten erforderlich, die geneigt sind, aus den Grundiermitteln die Feuchtigkeit schnell aufzusaugen, so daß sich der Klebstoff auf der Oberfläche als graue Schicht ablagert. Man nimmt dazu gewöhnlichen Kleister, der mit so viel Wasser versetzt wird, daß er einer Mehlsuppe gleicht. Zum Auftragen, das recht gleichmäßig zu geschehen hat, bedient man sich des Kleisterpinsels, und reibt dann mit dem Ballen der Hand, besser mit einem Hasenfuß, aus dem aber die Zehen ausgebrochen sein müssen, den Kleister in das Leder ein.

Die Grundierung erfolgt erst mit Leim und danach mit Eiweiß.

Der für den Leimgrund oder die »Leimtränke« dienliche Leim ist Fischleim, von dem man 4 bis 5 Tropfen auf eine halbe Tasse lauwarmen Wassers nimmt und mit diesem gut vermischt. Die Flüssigkeit wird leicht, aber gleichmäßig aufgestrichen. (Der unter der Bezeichnung »colle liquide« in den Handel kommende flüssige Gummi ist für diesen Zweck durchaus unbrauchbar.)

Den zweiten und letzten Grund stellt man mit einer Mischung her, die zu ⅔ aus Eiweiß und zu ⅓ aus Essig, Lagerbier oder Apfelmost besteht. Die Mischung muß gut durchgequirlt werden. Um sie haltbarer zu machen, setzt man ihr einige Tropfen Ammoniak oder ein Stückchen Kampfer zu.

Wir unterscheiden in bezug auf die Behandlung harte und weiche Leder, erstere müssen rasch und heiß, letztere mäßig warm und langsam gedruckt werden; dabei steht das Gold besser. Dazu gehören alle Saffiane.

Im nachfolgenden geben wir eine Übersicht über die verschiedenen Ledersorten und Stoffe, die zu Buchdecken verwandt werden, und bemerken bei jedem einzelnen Material die Art der Behandlung, der es vor der Vergoldung zu unterwerfen ist.

1. Schafleder. Man unterscheidet lohgares und gekörntes oder anderweitig appretiertes Schafleder. Ersteres, gefärbt oder ungefärbt, wird mit Wasser ausgewaschen, mit Kleisterwasser bestrichen, erst mit Fischleim und nach dem Abtrocknen mit Eiweiß grundiert. Letzteres wird mit Essig oder Beize ausgewaschen und dann ohne vorherigen Leimgrund mit Eiweiß behandelt.

2. Bockleder wird mit Essig oder Beize ausgewaschen und mit Eiweiß grundiert. Grüne, braune und die helleren, sog. Modefarben drucken sich leicht und halten gut, was bei schwarzem Leder weniger der Fall zu sein pflegt.

3. Bastardleder gleicht dem Bockleder, ist aber, wie der Kunstausdruck lautet, »glänzend gestoßen«. Die hellen Farben sind meist nicht waschecht. Dem Abfärben wird einigermaßen dadurch vorgebeugt, daß man dem Leder erst einen Leimgrund und danach doppelten Eiweißgrund gibt.

4. Saffian (Maroquin [franz.] oder Levant Marocco [engl.]), d. h. genarbtes Ziegenleder, wird mit Wasser ausgewaschen und einfach mit Eiweiß grundiert. Nur in dem Falle, wo das Korn niedergeglättet worden ist, wird zweimal grundiert und bei sehr reichen Vergoldungen vorher ein Leimgrund aufgestrichen.