5. Schweinsleder. Bei diesem genügt das Auswaschen mit Wasser und einfacher Eiweißgrund. Wenn, wie das bei Schweinslederbänden meist der Fall ist, Golddruck in Verbindung mit Blinddruck zur Anwendung kommt, so ist ein weiteres Auswaschen nicht mehr nötig. Die Goldverzierungen werden vorgedruckt und halten nach nur einmaliger Grundierung mit Eiweiß sehr gut.
6. Kalbleder. Farbiges Kalbleder wird mit Wasser, ungefärbtes, sog. weißes Kalbleder ebenfalls mit Wasser, in dem aber ein wenig Kleesalz oder Zitronensäure aufgelöst ist, ausgewaschen.
7. Pergament wird zweimal mit gesättigter Alaunlösung abgewaschen und muß danach völlig austrocknen. Nachdem dies geschehen ist, wird es zweimal mit reinem Eiweiß grundiert. Der Eiweißgrund muß dann mindestens eine Stunde lang trocknen. Der Alaun bewirkt eine Verseifung der im Pergament enthaltenen Leimteile und erhält die Oberfläche sauber.
8. Kaliko wird mit Eiweiß einmal grundiert.
9. Seide, Samt und andere Webstoffe werden mit Pulver gedruckt, wovon weiter unten die Rede sein wird.
Bei allen Lederbänden werden die zu vergoldenden Stellen zuerst blind vorgedruckt und dann mit Eiweiß ausgepinselt. Bei größeren, dicht mit Ornamenten zu bedruckenden Flächen bedient man sich statt des Pinsels eines Schwämmchens. Da das Eiweiß gern schäumt, so begegnet man diesem Übelstande dadurch, daß man mit dem Pinsel oder dem Schwämmchen vor dem Eintauchen leicht über das Kopfhaar streicht. Das Haar gibt einige wenige Fettteile ab, die genügen, um das Schäumen zu verhindern.
Da nicht alle Ledersorten von gleicher Art durchaus übereinstimmende chemische oder struktive Eigenschaften haben, so können die oben aufgestellten Regeln nur als allgemeine Erfahrungssätze gelten, von denen unter Umständen auch abgewichen werden muß. Nur Übung und praktische Erfahrung lassen den Vergolder in jedem einzelnen Falle das Richtige treffen.
Die Rückenvergoldung. Die Rücken von einfachen Bänden, welche glatt, d. h. ohne Bünde ins Leder gemacht sind, erhalten entweder eine Bundeinteilung ([Fig. 72], [73] u. [74]), oder einen sog. langen Rücken ([Fig. 75], [76] u. [77]), oder auch einen liegend gedachten Rücken mit einem langen Felde, das den Titel enthält oder ornamentiert wird. ([Fig. 78] u. [79].)
Die nach Bünden eingeteilten Rücken haben entweder gleich große oder verschieden große Felder. In beiden Fällen wird zunächst für die Verzierung des Kopfendes, je nach der Größe des Buches, eine Breite von ½ bis 1½ cm, für die Verzierung des Schwanzendes eine solche von 1 bis 3 cm vorgesehen. Die Felder werden abgezirkelt und der Bundstrich an einem Streifchen Karton oder Pergament mit dem Falzbein genau rechtwinkelig zu der Falzkante gezogen. Dieser Vorzeichnung folgt man mit einer Linienfilete, die wiederholt aufgedruckt wird, bis der Strich blank erscheint. Der Band, der in eine Klotzpresse oder Einspannvorrichtung (vgl. [S. 117]) fest eingeklemmt ist, muß bei dieser Arbeit genau quer vor dem Arbeiter mit der Rückenfläche etwa in Brusthöhe stehen. Die Druckbewegung muß leicht mit dem Handgelenk ausgeübt werden, nicht mit dem vollen Gewicht des Armes. Die Geschicklichkeit, mit der stark gewölbten Filete eine genaue gerade Linie über den in umgekehrter Spannung gebogenen Rücken zu drucken, wird nicht in einem Tage erreicht, sondern erfordert eine längere Übung. Die Hauptsache ist, daß der Anfänger sich gewöhnt, das Ende der Linie beim Drucken im Auge zu behalten, nicht aber mit dem Auge der sich über den Rücken neigenden Linie zu folgen oder gar von der Seite unter die Filete zu sehen.