Außer und neben der Goldverzierung wendet man zum Schmuck der äußeren Decke auch die Farbe an, entweder in der Gestalt der sog. Ledermosaik oder durch Auftragen mit dem Pinsel.

Fig. 99. Spiegel mit breiten Eckfüllungen und symmetrischem Mittelstück.

Fig. 100. Spiegel mit unsymmetrischer Füllung.

Die Ledermosaik ist eine Musterung des Lederüberzugs mittelst anders gefärbter Lederstücke, die entweder eingelegt oder aufgelegt werden. Für eingelegte Arbeit nach Art der Holzintarsia eignet sich aber das Material sehr wenig, da sich keine scharfen Konturen herstellen lassen, wie sie zur Hervorhebung der Zeichnung erforderlich sind. Dagegen lassen sich mit der Lederauflage reiche und gefällige, dem Stoff angemessene Wirkungen erzielen. Die Teile der Zeichnung — vorzugsweise sind es die bandartigen Ornamente, indes auch Blätter, Rosetten und kleinere, durch Bandverschlingungen gebildete Felder — welche, wie der Fachausdruck lautet, »ausgelegt« oder »unterlegt« werden sollen, müssen vorerst ausgeschnitten werden. Das dazu zu verwendende Leder wird zuvor in entsprechend großen Stücken so weit ausgeschärft, daß es nicht viel stärker ist als ein Blatt Seidenpapier. Die Vorderseite wird danach auf kräftiges Schreibpapier oder Aktendeckel mit Kleister aufgeklebt und angepreßt. Auf das Papier wird nun die Form des aufzulegenden Stückes genau aufgezeichnet und danach mit einem scharfen, spitzen Messer ausgeschnitten.

Fig. 101. Albumdecke mit Lederauflage. (M. Göhre in Leipzig.)

Nachdem alle farbigen Lederteile auf diese Weise vorbereitet sind, wird die Zeichnung auf dem Leder vorgedruckt und diesem Vordruck gemäß Stück für Stück auf den Deckel aufgeklebt, natürlich mit der Fleischseite des Leders, so daß das aufgeklebte Papier oben aufliegt. Das Anschmieren wird dabei in der Weise bewerkstelligt, daß man die einzelnen Teilchen auf ein mit Kleister bestrichenes Blech legt und gut andrückt; man hebt sie danach mit der Messerspitze ab und klebt sie an der Stelle, für die sie bestimmt sind, auf. Ist die ganze Klebearbeit besorgt, so wird ein Blatt Papier über den Deckel gelegt und der Band einige Zeit zwischen Blechen oder Platten eingepreßt. Die Pressung bewirkt, daß die aufgelegten Teile sich in Papierstärke in den Grund eindrucken. Der aus der Presse kommende Band wird nunmehr mit Wasser überfahren, um das Papier loszuweichen. Nachdem dies abgelöst worden ist, legt man abermals ein Blatt Papier, besser noch ein Blatt Staniol auf den Deckel und preßt den Band von neuem ein. Vollendet wird die Arbeit zuletzt durch das Konturieren der eingelegten Teile mit Goldlinien. Der Kontur darf dabei die Auflage nur so weit treffen, daß sie gewissermaßen angeklemmt und die Verbindungsstelle zwischen Grund und Auflage gedeckt wird.