Hier wird zunächst eine terminologische Klarstellung dem Leser für das leichtere Verständnis alles nachfolgenden erwünscht sein.
1. »Geist«, »geistig« bedeuten gegenüber »Körper«, »körperlich« den Inbegriff alles Geistigen, Seelischen, Psychischen überhaupt.
2. »Geist«, »geistig« gegenüber dem Rest des Seelischen, Psychischen bedeuten die höhere geistige Sphäre, das Vernünftige, Logische.
3. Das Geistige überhaupt zerfällt in die Sphären der Erkenntnis, des Willens und des Gefühls.
4. Innerhalb jeder dieser drei Sphären gibt es eine höhere und eine niedere Stufe. Die höhere Stufe auf allen drei Sphären heißt Vernunft (oder Geist im Sinne von No. 2), also Vernunft in der Erkenntnis, vernünftiger Wille und vernünftiges Gefühl. Damit ist das rein Logische, Unbedingte gemeint. Die niedere Stufe auf jeder Sphäre umfaßt demgegenüber das Psychologische. Auf der Erkenntnissphäre besteht das Psychologische aus Intellekt, Verstand, Überlegung, Reflexion, Wahrnehmung, Vorstellung. Auf der Willenssphäre besteht es aus allen Trieben, allem Streben, Wünschen, Sehnen und allem Wollen überhaupt, sofern sie nicht auf das rein Logische, Allgemeingültige gehen. Auf der Gefühlssphäre umfaßt die psychologische Stufe die sinnlichen Gefühle der Lust und Unlust, sowie Lust an mangelhafter Erkenntnis oder an der Lüge, am mangelhaft Guten oder am Bösen, am mangelhaft Schönen oder am Häßlichen.
Im nachfolgenden werde ich nun »Geist« im Sinne von No. 1 gebrauchen und »Vernunft«, »vernünftig« für den Sinn von No. 2. – – –
Die geistigen Merkmale, die der Auslese und Reinzucht unterliegen sollen, sind: 1. Eine hochentwickelte Fähigkeit der Erkenntnis und des wahren Urteilens, des Denkens, des Verstandes oder der Intelligenz; 2. Güte des Charakters, Stärke des Willens, Energie, Entschlossenheit; 3. ästhetisches Gefühl und Benehmen, künstlerische Gestaltungskraft.
Darin ist das Ideal begriffen. Wir werden später sehen, daß das Ideal natürlich nicht als unerläßliche Mindestforderung im praktischen Leben aufrechterhalten werden kann.
Es gibt besondere Merkmale der geistigen Vollkommenheit, die zu kennen wichtig ist, weil es die Möglichkeit der rechten Gattenwahl erleichtert. Ich führe sie daher an, jedoch ohne allen Anspruch auf Vollständigkeit.