In der englischen Sprache ist »fair«, blond, für Frauen gleichbedeutend mit schön.
Die Kontrastwirkung kommt zustande durch helle Haut und dunkle Haar- und Augenfarbe: »Eine brünette Haut,« sagt Stratz, »ist mit den dunklen Augen und Haaren zusammengestimmt und wirkt durch Abtönung ebenso harmonisch wie die weiße Haut mit blondem Haar und hellen Augen. Bei Zusammenstellung der weißen Haut mit schwarzem Haar werden aber durch den Kontrast die Vorzüge beider Teile noch lebhafter sprechen.«[38]
Wie wir oben fanden, ist Schönheit Harmonie schlechthin, unter der Voraussetzung eines an sich vollkommenen Inhalts, der die Abstimmung des Äußern auf ihn zu einem »Wert« erhebt! Ohne diese Voraussetzung macht Harmonie noch keine Schönheit aus. Der Kontrast ist also mit der Harmonie nicht als etwas Ebenbürtiges meßbar, sondern nur eine Methode der Erzielung von Wirkung auf das ästhetische Gefühl. Auch handelt es sich nicht um schöne Haut, Augen, Haare als Einzeldinge, sondern um die Schönheit des ganzen menschlichen Körpers. Es ist also unstatthaft zu sagen, daß eine helle Haut nebst dunklen Haaren die Schönheit der einzelnen Teile hervorhebe: denn nach diesem Grundsatz müßte eine blonde Negerin ebenso schön sein (hinsichtlich Farbenwirkung) als eine schwarzhaarige Europäerin mit weißer Haut: der Kontrast wäre in beiden Fällen der gleiche und würde »die Vorzüge beider Teile« hervortreten lassen, nämlich in diesem Beispiel der blonden Haare und der schwarzen Haut der so vorgestellten Negerin.
Ferner müßte nach dem andern Beispiel von Stratz betreffend die Harmonie bei der Brünetten eine Frau von vollkommenen Formen, aber mit schwarzer Haut, schwarzen Haaren und Augen ebenfalls schön sein. Denn Harmonie wäre auch hier vorhanden. Offenbar würden wir jene aber der Blondine mit der ihr eigentümlichen Harmonie nicht an die Seite setzen. Warum nicht? Erstens, weil die hellen Farben der Blondine auf den Inhalt des Menschen, seinen Geist, der als »Lichtgestalt« vorgestellt wird, wenn man an einen wirklich edlen und hoheitsvollen Charakter und Helden denkt, harmonisch abgestimmt sind. Zweitens, weil die bei der Blondine in Frage kommenden Farben weiß, blau und golden an sich schöner sind als die Farben braun und schwarz. Drittens, weil blau und gelb annähernd sogenannte Komplementärfarben sind, die immer Wohlgefallen erregen, weil sie zusammen passen (psychologisch: sich zu weiß ergänzen). Viertens, weil die genannten drei Farben außerdem noch harmonisch zueinander passen. Der blonde Typ ist also als solcher derjenige größter menschlicher Vollkommenheit, den wir kennen, vielleicht, den es überhaupt geben kann.
Einige Stellen aus Havelock Ellis mögen nun das noch weiter bekräftigen. Auch sie beziehen sich vorwiegend auf die Proklamierung der Blondheit als des am meisten auffallenden objektiven Schönheitskennzeichens. Ellis schreibt:[39]
»Renier hat das Frauenideal der provençalischen Troubadoure untersucht: ›Sie vermeiden jede Beschreibung der weiblichen Form; ihre Beobachtungen beziehen sich zumeist auf die schlanke, gerade, frische Erscheinung des Körpers, auf weiße und rosige Farbe. Auch die Augen werden viel gepriesen; sie sind süß, liebevoll, hell, lächelnd und heiter. Ihre Farbe wird nie erwähnt. Der Mund lacht, ist karminrot, und wenn er bei süßem Lächeln die weißen Zähne zeigt, lockt er zur Wonne des Kusses. Das Gesicht ist klar und frisch, die Haut weiß, das Haar stets blond. Vom übrigen Körper ist selten die Rede.‹«
Ebenso sei nach Rowbothams Schilderung des konventionellen Ideals der Troubadoure die Dame stets von milchweißer Haut »weißer und frischer als frischgefallener Schnee, von einer besonderen Reinheit des Weißen«. »Ihr fast immer mit Blumen geschmücktes Haar ist stets flachsfarben, seidenweich, vom Glanze feinsten Goldes schimmernd.«
In den ältesten spanischen (!) Romanzen ist nach Ellis das Haar »›von reinem Golde‹ oder einfach blond …, das Gesicht weiß und rosig, die Hände weiß ….«
Er gibt ferner an, daß Alwin Schultz das Ideal der deutschen Dichter des XII. und XIII. Jahrhunderts folgendermaßen schildert: »Sie muß mittelgroß und schlank sein, ihr Haar blond wie Gold …« Dunkles Haar finde keine Bewunderung. Die Augen müßten hell, gewöhnlich blau, die Haut solle weiß, bezw. zart rosig sein.
Adam de la Halle aus Artois schildert nach unserm Gewährsmann in einem Gedicht aus dem XIII. Jahrhundert seine Geliebte als goldhaarig, schwarzäugig. Das sind nur einige der in der genannten Quelle angeführten Schilderungen, die auf die Hervorhebung der Blondheit und ihrer Attribute als des Ideals der Frauenschönheit ausgehen.