Demnach: Bei Mann und Weib stehen Charakter und Gesundheit im Mittelpunkt; beim Mann kommt dann zunächst noch sonstige Geistesgröße, beim Weib Schönheit in Betracht.
Die Übertragung der Merkmale des einen Geschlechts auf das andere gilt nach allem Vorausgegangenen sinngemäß und nur bedingt und allgemein, nicht im besondern.
Das Idealbild des Mannes wäre etwa folgendes: Schlanke, ziemlich hochgewachsene Gestalt, hohe Stirn, schmales Gesicht, scharfes Profil, ernster Gesichtsausdruck. Haare blond; doch tritt das hier etwas in den Hintergrund. Charakterstärke, Güte, Idealismus, Altruismus, Wahrheitsliebe, moralischer Mut, Intelligenz, Genialität, ästhetisches Gefühl, Gesundheit.
Zur Erläuterung muß ich hier nochmals auf den schon genannten Aufsatz von O. Hauser verweisen: »Der physische Typus des Genies des Altertums«. Hauser zeigt darin an der Hand der Beschreibung einer großen Anzahl berühmter Männer aus dem Altertum, daß die hohe, schlanke Gestalt, Blondheit und das scharfe Profil mit der großen, zumeist gebogenen Nase das charakteristische Aussehen der Großen bilden.
Das Idealbild des Weibes wäre etwa dieses: Schlanke, ziemlich hohe Gestalt, schmales Gesicht, gerade und senkrechte Stirn, deutliches, aber regelmäßiges Profil, Anmut, Blondheit oder Annäherung an sie. Güte und Reinheit des Charakters, Wahrheitsliebe, Altruismus, Intelligenz, moralischer Mut, ästhetisches Gefühl, Gesundheit.
Alle Vervollkommnung findet nicht plötzlich, sondern durch Entwicklung statt. Demnach können wir zunächst nicht die höchsten Eigenschaften des Geistes und Körpers, also nicht Genie und größte Schönheit, als unerläßliche Attribute derjenigen, die der Auslese und Reinzucht als Material dienen sollen, verlangen, sondern müssen mit Bescheidenerem zufrieden sein. Wie schon erwähnt, sollen daher ein vorzüglicher Charakter und Gesundheit das Mindestmaß des Notwendigen sein. Doch muß selbstverständlich körperliche Wohlgestalt, wenn auch nicht eigentliche Schönheit, ebenfalls dabei sein, also eine schlanke, gut gebaute, nicht zu kleine Statur, sowie ein Kopf und Gesicht, welche die im Vorstehenden angegebenen Merkmale der Rasse noch deutlich erkennen lassen.
[d) Das Organ des Geistes.]
Das Organ des Geistes ist das Gehirn. Von seiner Beschaffenheit hängen daher offenbar auch die geistigen und Charaktereigenschaften ab, die bei der Reinzucht der Vollkommensten ausgelesen und gesteigert werden sollen. Wir müssen daher der Betrachtung des Gehirns noch einen besonderen Abschnitt widmen.
Ploetz kommt zu dem Schlusse, daß weder die Zunahme der durchschnittlichen Lebensdauer, noch die Vergleichung von Schädeln der jetzigen und früheren Geschlechter die Frage entscheiden läßt, ob wir uns seit dem Altertum vervollkommnet haben oder nicht. Die Zunahme der Lebensdauer ist eine tatsächliche. Aber sie ist für die Beantwortung der Frage nicht verwertbar, weil man nicht entscheiden kann, ob sie aus gesteigerter konstitutioneller Kraft des Menschen oder aus Erleichterung der äußeren Bedingungen des Daseins herzuleiten ist.
Nach den vergleichenden Messungen zu urteilen, scheint eine Vergrößerung des Gehirns stattgefunden zu haben. Doch sind die Statistiken aus verschiedenen Gründen, namentlich auch wegen des zu geringen Zahlenmaterials, nicht endgültig beweisend. Ferner darf man Zunahme des Hirngewichts nicht ohne weiteres mit Steigerung der Güte gleichsetzen. Doch sprechen viele Tatsachen dafür, daß beides in weitgehendem Maße zusammenfällt. So ist das Wachstum des Gehirns durch die Tierreihe hindurch bis zum Menschen die auffälligste Erscheinung der ganzen Entwicklungsgeschichte. Im höheren Alter nehmen beim Menschen Volum und Gewicht des Gehirns ab und Hand in Hand damit auch seine geistigen Kräfte. Sehr hervorragende Männer haben oft besonders große Gehirne gehabt. Endlich hat man keinen Fall auffinden können, in dem ein außergewöhnlich hochstehender Mensch ein besonders kleines Gehirn besessen hätte.