IX. Genialität und Altruismus sind die Merkmale, die offenbar in Zusammenhang stehen mit der Erreichung dessen, was unsere psychologische Analyse als erwünscht aufgezeigt hat.

X. Es läßt sich annähernde Automatie der Bewußtseinsvorgänge denken ohne Aufgebung der Fähigkeit zur Bearbeitung neuer Erfahrungsdata und neuer Probleme.

XI. Niemals wird es sich handeln um Unbewußtsein überhaupt: denn Bewußtsein ist an sich etwas Besonderes. Dagegen wird (wahrscheinlich) das empirische Bewußtsein immer mehr eingeschränkt werden, in dem Maße nämlich, als die Widerstände im Gehirn mit seiner steigenden Organisation abnehmen.

XII. Die Menschen fühlen das empirische Bewußtsein als etwas Qualvolles und streben mit seltener Einmütigkeit nach seiner Unterdrückung.

XIII. Der höhere Mensch wird die Werte als Instinkte besitzen – annähernd.

XIV. Die Weiterentwicklung des Geisteslebens wird in der Richtung stattfinden, daß Selbsttätigkeit auch in seinen fortgeschritteneren Stufen Platz greift, wie es jetzt bei der Wahrnehmung der Fall ist. Die Vorstellungen werden nicht mehr getrennt von und neben den Erkenntnissen im Bewußtsein bemerkbar sein.

[2. Die Erblichkeit.]

Zunächst sei auf das früher ([S. 13]) über die Erblichkeit Gesagte hingewiesen. Auch geistige Eigenschaften sind wie andere angeborene Merkmale erblich, da ihre Eigenart beim Menschen von der Beschaffenheit seines Gehirns abhängt, und diese mit auf die Welt gebracht wird. Das stimmt auch mit der Erfahrung überein: nur das Genie scheint eine Ausnahme zu machen. Doch sind uns die einzelnen Faktoren, die bei der Beurteilung der Frage der Erblichkeit des Genies berücksichtigt werden müssen, nicht genügend bekannt. Das Genie ist die höchste Spitze menschlicher Entwicklung und ruht als solche auch auf der subtilsten anatomischen Unterlage im Körper. Die geringste Inkongruenz in der den Samen aufnehmenden Eizelle wird eine Ablenkung herbeiführen können. Auch kommt es gar nicht auf die Vererbung derselben genialen Fähigkeit, wie sie der Vater hat, an, sondern nur auf diejenige seiner geistigen Höhe im allgemeinen. Ferner hat die Menschheit bisher nicht die geringste Rücksicht auf eine in geistiger Hinsicht passende Gattenwahl genommen. Die herrschenden Anschauungen haben auch die Hervorbringung möglichst zahlreicher spontaner Variationen durch den genialen Vater, wie es dem Manne ja die Natur ermöglicht hat, und wozu ihn sein polygamer Instinkt mit Macht antreibt, verhindert. Endlich wissen wir nicht, ob jene Redensart wahr ist, die behauptet, daß das Genie sich immer Bahn breche: vielleicht gehen viele Genien – wenn auch nicht die allergrößten – unter, ohne Gelegenheit gefunden zu haben, sich als solche zu offenbaren.

Wie Forel angibt, hat übrigens Alphonse de Candolle »in seiner ›Histoire de la science et des savants‹ den unzweideutigen Beweis geliefert, daß die Nachkommenschaft bedeutender und tüchtiger Menschen eine unverhältnismäßig größere Zahl wiederum hervorragender und tüchtiger Menschen aufweist als diejenige der unbedeutenden, …«[58] – – –

Die Erblichkeit der Merkmale ist natürlich eine unerläßliche Bedingung für die Bildung von Dauerformen. Da Milieumerkmale nur in geringem Grade erblich sind, so kommt es für die Verbesserung der Rasse weitaus am meisten auf die angeborenen Eigenschaften an.