4. Einprägung der körperlichen Eigenschaften, wie ich sie unter III, 1, b und c angegeben habe.
5. Ausbildung der Fähigkeit, den Charakter zu beurteilen. Jeder Mensch besitzt sie mehr oder weniger von Natur. Das Interesse an unserem Plane würde selbsttätig diese Fähigkeit rasch bedeutend steigern; Beschäftigung mit Anthropologie und Psychologie, auch mit der Geschichte, würde das noch unterstützen.
6. Der »Instinkt für den geeigneten Gatten«. Dieser bildet weitaus das wichtigste Mittel zur Erkennung des passenden Partners. Zunächst muß ich auf das in der Tafel der Kennzeichen der Geistesgröße über den Instinkt im allgemeinen Gesagte verweisen ([S. 31]). Diesem sei noch folgendes Nähere hinzugefügt: Jeder einigermaßen gut organisierte Mensch hat ein Bewußtsein von einem bestimmten Typus des andern Geschlechts, der zu ihm am besten paßt, und zu dem er sich daher geschlechtlich hingezogen fühlt. Selbstredend wird dieser Typus durch eine Mehrheit von Individuen dargestellt. Trifft ein Mensch ein solches an, so besteht die Gefahr, daß er sich in es »verliebt«. Diese Art von Liebe ist identisch mit der in den Romanen geschilderten. Sie ist das, was die Menschen im landläufigen Sinne des Wortes »Liebe« oder »Verliebtheit« nennen, und was sie für etwas besonders »Heiliges« und »Ideales« halten. Darin irren sie aber: jene Liebe beruht auf einer Wahnidee, was beweisbar ist: sie erlaubt nämlich nur, das eine Individuum als geeigneten Gatten anzuerkennen; es ist aber klar, daß andere Vertreter desselben Typs ebenso geeignet wären. Es ist diese romanhafte Liebe also eine zur Gattung der Paranoia gehörige Wahnidee oder Psychose.
Dagegen ist Zuneigung zu dem ganzen betreffenden Typus als solchem berechtigt. Ebenso ist eine mehr geistige Liebe berechtigt, die zwar auf dem Unterschied von Mann und Weib beruht, auf der gegenseitigen Ergänzung, nicht aber auf dem Geschlechtstrieb, oder doch nur in sehr lockerem Zusammenhang mit ihm steht.
Je bessere Rasse nun ein Mensch besitzt, desto deutlicher ist sein Instinkt für den geeigneten Gatten ausgebildet.[59]
Nach allem: Der Gatteninstinkt ist nicht identisch mit »Liebe«, sondern leitet den Menschen in objektiver unbewußter Erkenntnis zu den für ihn tauglichsten Partnern. Die Liebe dagegen maßregelt oft diesen Instinkt und lenkt ihn ab: ein Mensch fängt an irgend einer, oft genug nebensächlichen oder minderwertigen Eigenschaft eines Individuums vom andern Geschlecht Feuer. Es erregt zum Beispiel irgend ein geistiger oder körperlicher Zug an jemandem die fetischistische oder masochistische Anlage des andern: rasende Liebe kann die Folge sein, die doch dann ganz gewiß mit der Erkenntnis eines geeigneten Gatten nichts gemein zu haben braucht. Solch ein Verliebter steht unter dem Banne von Auto- oder Fremdsuggestion, welch letztere als eben von dem Gegenstand der Liebe ausgehend zu betrachten ist. Daraus erklären sich denn auch die merkwürdigen Verirrungen des Gatteninstinkts. Sie kommen ja nicht selten auch bei Frauen vor, die doch sonst einen besonders feinen und sicheren Gatteninstinkt besitzen; gerade sie sind aber auch suggestibler, was die Verirrung leicht verständlich macht.
Normalerweise aber haben die Frauen einen prächtigen Instinkt für den geeigneten Gatten: sie merken die hervorragendsten Männer sofort unter der Masse heraus und sehnen sich innerlich nach der Vereinigung mit ihnen.
Hochorganisierte Männer haben auch einen recht guten Gatteninstinkt, sind aber dennoch weniger wählerisch als Frauen.
Dieser eigentümliche Unterschied in der Strenge der Gattenwahl zwischen Männern und Frauen findet seine Erklärung in der natürlichen Verschiedenheit in der Beschaffenheit beider und ihrer Aufgaben für die Fortpflanzung. Männer könnten leicht eine große Anzahl von Kindern erzeugen und haben nach dem Akte der Zeugung keinen Anteil mehr an der Entstehung des Kindes. Mißgriffe in der Gattenwahl könnten sie daher, was ihre physische Fähigkeit anlangt, leicht wieder ausgleichen. Frauen dagegen gestattet die Natur hinsichtlich der Zahl nur eine verhältnismäßig geringe Anteilnahme an der Hervorbringung der Nachkommenschaft. Ihre Hauptaufgabe besteht jedoch in der Entwicklung des keimenden Lebens. Sie haben daher ein großes Interesse daran, möglichst tüchtige Väter für ihre Kinder auszulesen. – – –
Die Möglichkeit, daß die geeigneten Gatten einander erkennen können, darf also nicht in Abrede gestellt werden. Der Mensch muß nur die, ihm dazu verliehenen Mittel mit ernstem Willen anwenden. Freilich werden Irrtümer vorkommen. Das ist aber auf allen empirischen Gebieten der Fall und bedingt noch keine Undurchführbarkeit ihrer Aufgaben. Wenn in einer gewissen Zahl von Fällen das Rechte getroffen wird, so gelingt der Fortschritt, wie die allgemeine Erfahrung lehrt. Auch hinsichtlich unseres Planes wird es daher nicht anders sein.