3. Erleichterung der Bedingungen für Schließung und Trennung der Ehen, sofern dadurch dem Wohl der Rasse gedient wird.
Da immer das Interesse der Gesamtheit vorausgesetzt wird, um den Vorschlägen Berechtigung zu verleihen, so muß hervorgehoben werden, daß die staatliche Fürsorge auch von Rechts wegen nur dann in Frage kommen könnte, wenn es sich um hochwertiges Menschenmaterial handelt. Um aber dann Enttäuschungen zu vermeiden, müßte dieser Punkt vor der Zeugung entschieden werden. Dies könnte wohl nur etwa so geschehen, daß Kommissionen bestehend aus Ärzten und Anthropologen eingesetzt würden, an die ein Paar (verheiratet oder ledig), das ein Kind zu zeugen wünscht, sich zuvor wenden könnte, um ein Gutachten zu erlangen. Dieses wäre selbstredend für den Staat bindend, auch dann, wenn sich nach der Geburt das Kind entgegen menschlicher Berechnung als minderwertig herausstellen sollte. – – –
Es ist durchaus eine Verkennung des Menschen zu behaupten, die Einführung solcher gemäßigter und ganz vernünftiger Reformen würde die Sittlichkeit gefährden. Es liegt vielmehr die einzige Möglichkeit zur Rettung der Menschheit aus ihrem Egoismus und ihrer materialistischen Versumpfung, ihrem Nachjagen nach niederer Lust, was alles zum Untergang der Menschheit führen muß, wenn ihm nicht gründlich Einhalt geboten wird, in der Entfaltung einer großen neuen Idee. Nur unter der Herrschaft von Ideen vermag sich die Menschheit zu behaupten und fortzuschreiten. Unserer Zeit aber fehlen mächtig auf die Seelen der Menschen einwirkende Gedanken! Hier ist jetzt eine solche Idee, welche die Menschheit bezüglich ihrer höchsten Werte bis ins Mark hinein berührt und Allgemeingültigkeit besitzt!
So wird denn hier meines Wissens zum erstenmal die brennende Frage der Ehereform unter dem Gesichtspunkt des Zieles behandelt, desjenigen nämlich der Vervollkommnung der Menschheit, ihres entwicklungstheoretischen Fortschritts. – – –
Wir dürfen des weiteren die Augen nicht gegenüber der Tatsache verschließen, daß die Richtung, in der sich das moderne Weib entwickelt, mit der Erhaltung der Rassentüchtigkeit auf die Dauer nicht vereinbar ist, geschweige denn mit deren Steigerung. Sie verliert immer mehr die Liebe zu ihrem natürlichen Beruf. Nur die Einstellung unseres gesamten Lebens unter den Nimbus einer großen neuen Idee kann sie wieder zur Besinnung auf ihre natürliche Bestimmung bringen: sie muß einsehen, daß sie bei Erfüllung ihres eigentlichen Berufs an der Erreichung eines allgemeinen Endzieles der Menschheit mitwirkt. Dann wird sie die Freude an diesem ihrem Beruf zurückgewinnen. Dabei bleibt ihr noch Zeit genug zu einer geistigen Entfaltung, die nicht über das hinausstrebt, was das Weib in dieser Hinsicht noch ohne Schaden vertragen kann, und die in diesen Grenzen durchaus berechtigt und ein Symptom des menschlichen Fortschritts überhaupt ist.
[c) Die Reinzucht.]
Nicht nur Auslese, sondern auch Reinzucht ist für die Entstehung der neuen und höheren Menschenform nötig. Sie ist nicht mit Eng- oder Inzucht zu verwechseln; darunter versteht man die Paarung zwischen Blutsverwandten. Unter der Reinzucht der Vollkommensten verstehe ich die Paarung zwischen den vollkommensten Männern und Frauen ohne Kreuzung mit niederen Individuen. Dabei ist entfernte Verwandtschaft freilich kein Hindernis. Nur darf sich die Gattenwahl nicht andauernd auf denselben kleinen Kreis beschränken. Denn »fortgesetzte Inzucht«, sagt Chamberlain, »innerhalb eines sehr kleinen Kreises, das, was man ›Engzucht‹ nennen könnte, führt mit der Zeit zur Entartung und namentlich zur Sterilität. Zahllose Erfahrungen der Tierzucht beweisen das.«[60]
Es muß sich bei den Vollkommensten ein »Rassegefühl« ausbilden, kraft dessen sie die Paarung mit andern ablehnen. Völker und Individuen, ja wahrscheinlich schon Tiere, relativ reiner Rasse haben in der Tat ein solches Rassegefühl. Für uns sind heute die Engländer das beste Beispiel dafür: wie mir ein gelehrter deutscher Weltreisender erzählte, heiratet ein Engländer in den Kolonien nur äußerst selten eine Nichtengländerin, und dann meistens eine stammesverwandte Deutsche oder Skandinavierin.
[5. Blutmischung und Herkunft der Varianten.]
Die Frage der Blutmischung erledigt sich nach unsern bisherigen Ausführungen fast von selbst: zu vermeiden ist die Kreuzung mit minderwertigen Individuen und mit niedrigen Rassen. Innerhalb der europäisch-nordamerikanischen Kulturvölker soll aber dann ein weiterer Rassenunterschied nicht mehr maßgebend sein. Denn hier kommt es dann nur noch auf die individuelle Tüchtigkeit an: ließen sich doch die Merkmale geistiger und körperlicher Vollkommenheit ohne die Voraussetzung bevorzugter bestehender Rassen auffinden; wer sie auch immer besitzt, soll demnach als ein für die Reinzucht der Vollkommensten Auserlesener gelten.