Sie bettete das Kind und erzählte noch lange mit ihm von Java, den schönen Bäumen, den süßen Früchten, den bunten Vögeln.

„Weißt Du, Mama, ich bin so neugierig, was Papchen macht. Ob Papa ihm wohl alle Tage ‚Dora‘ vorgesprochen hat?“

„Ich weiß nicht, mein Kind.“

„O, ich glaube sicher, Papa hat es getan. Papa ist ja so gut.“

„Aber jetzt schlaf’ nur, mein Kind. Es ist Zeit.“

Der Tag des Abschieds kam. Helene hatte es sich nicht nehmen lassen, das Kind bis nach Antwerpen zu begleiten, um es selber auf dem Schiffe unterbringen zu können. Auf der Fahrt gab sie der alten Dame, die Lamondt geschickt hatte, noch eine Menge Ratschläge und Anweisungen bezüglich der Lebensart der Kleinen. Man merkte ihr eine außergewöhnliche Erregung nicht an.

Jetzt kamen die letzten Stunden. Die Kleine zerfloß in Tränen. Immer wieder warf sie sich ihrer Mutter um den Hals. Immer wieder schmeichelte sie: „Komm’ doch mit, Mama!“ Ihr Kinderherz ahnte schon das Trennungsweh.

Auch Helene weinte still. Aber ihr Gesicht war durch die Tränen hindurch wie von einer inneren Heiterkeit verklärt. Ihr war wie einer, die auf dunkler, sturmumtoster Klippe steht und fern in ein Tal voll Friede und Abendsonne blickt. — Ihr Kind! Ihr war bei dem Namen, als ob sie einen großen Glanz vor sich sähe, von dem nach allen Seiten leuchtende Strahlen ausgingen. Das war doch der Kern ihrer Welt. Hier lag die Lösung ihres Lebensproblems. Jetzt gab sie ihr Kleinod dahin, aber einst sollte der Tag kommen, an dem das Kind sich freiwillig entscheiden würde, bei ihr, der Mutter, zu bleiben.