Eines Tages nun, als sie ihm die dürren, welken Glieder wusch, regte sich inniges Mitleid in ihr, und sie dachte:

„Ich will Indra bitten, daß er ihm die Jugend der Glieder und das Licht der Augen wiedergibt.“

Weil aber da, wo sich wirkliches Mitleid regt, Götter die Bitten erfüllen, so erfüllte Indra ihre Bitte und überall, wo sie ihn mit ihren Händen wusch, da wurde der Alte jung und voll und als sie ihm zuletzt die Augen wusch, da wurde er wieder sehend und beide standen und sahen einander an. Weil er aber ein großer Rishi war, so dachte er: „Es ist ein Weib; ich will mich nicht betören lassen“ und wendete sich ab.

Nun war aber die Königstochter gewohnt, gleich nach dem Alten zu baden. So stieg sie auch heute, nach ihrer Glaubenstat, in schicklicher Weise ins Bad.

Als Valmika aber hörte, daß sein Weib im Bade war, da überkam ihn die Neugierde. Verstohlen blickte er hin und sah die jungen Glieder und verfiel auf der Stelle in Liebe. Denn auch ein Rishi, wahrt er seine Sinne nicht, kann wohl in Liebe fallen.

Da er nun jung, sehend und verliebt geworden war, so ließ Valmika durch seine alte Rishi-Kraft die kleine Hütte aus Baumrinde, in der er bisher mit seinem Weibe gelebt hatte, verschwinden und an deren Stelle einen schönen Palast entstehen, in dem es von Dienern und Dienerinnen wimmelte und in dem Tag und Nacht Geigen und Flöten und zahllose andere Wohllaute tönten.

Hierbei aber hatte er jenen mächtigen alten Feigenbaum, unter welchem die kleine Hütte stand, gleichfalls vom Erdboden weggezaubert.

Als nun die Gottheit dieses Baumes, ihrer Behausung beraubt, nackt und hungrig, jammernd und wehklagend im Walde umherirrte, fragten die anderen Gottheiten nach dem Grunde ihres Schmerzes.

Als sie nun erzählt hatte, daß der Rishi Valmika, weil er sich in sein Weib, die junge Königstochter verliebt hätte, sie heimlos gemacht habe, da empfanden zwei Dämoninnen Mitleid mit der Gottheit dieses Feigenbaums und sagten: „Wir wollen Dir helfen, daß die ganze Herrlichkeit wieder dahinschwindet, so schnell wie sie gekommen ist.“

Von dem Tage ab lauerten sie auf Valmikas Weib, ob sie etwas an ihr fänden. Denn sie war vollkommen keusch und züchtig, weswegen es eben geschehen konnte, daß sie wahres Mitleid empfand; weswegen es eben geschehen konnte, daß Indra das Gebet für ihren Gemahl erhörte.