„Erschrick nicht! Ich sage ja, Du hast Glück. Sie hat mir nach Deiner Abreise so lange in den Ohren gelegen, ihr doch noch ein Jahr Freiheit zu gönnen, um, wie sie sagte, das Trauerjahr für Dich halten zu können, daß ich schließlich nachgegeben habe. Weil ich aber für Pünktlichkeit bin, so habe ich mir den Tag gemerkt. Morgen wird es just ein Jahr, daß Du weg bist, und es warten Freier. Deswegen sagte ich: Du hast Glück.“

Am nächsten Tage schon wurde Verlobung gefeiert, und unserem Wijasingha war, als ob alle Seligkeit des Himmels herunter gekommen wäre und sich just in sein Herz einquartiert hätte.

De Soysa neigte europäischen Anschauungen zu, nicht als ob er ihr Freund gewesen wäre, aber sein Lieblingsspruch war: „Man muß sie (er meinte die Europäer) mit ihren eigenen Waffen schlagen.“ Deshalb war das Leben in seinem Hause halb europäisch, deshalb hatte auch seine Tochter eine sorgfältige Ausbildung genossen und einen europäischen Namen bekommen. Er pflegte sich über solche alten poetischen Namen wie: „Freund des Jasmin“ oder „die Blüte öffnet sich“ und andere derart lustig zu machen. Dabei hielt er aber streng an der Religion des Buddha, hatte auch oben auf dem Fels vom Isevimaniya-Kloster ein Gitter gestiftet mit einer steinernen Gedenktafel. Gestiftet von M. de Soysa im Jahre — des Buddha. Ja, er ging sogar mit der Absicht um, eine neue Predigthalle in der Nähe des heiligen Bobaumes in Anuradhapura zu errichten. Seine Frau freilich war wenig mit seinen europäischen Neigungen einverstanden. Sie sah im Abweichen von den alten Sitten das Verderben und hielt sich am liebsten in der Abgeschiedenheit. Auch trug sie die steife Tracht der vornehmen Singhalesinnen, während Lucia sich europäisch kleidete auf Wunsch des Vaters. Als die Tage des ersten Rausches vorüber waren, sagte de Soysa:

„Mein Sohn, ich bin kein Freund eines langen Brautstandes. Langer Brautstand kommt mir vor, als wenn jemand sich den Strick um den Hals schnürt, bevor er sich wirklich hängen will.“ Er lachte, daß draußen ein paar Vögel erschreckt aufflogen und überließ es Wijasingha, sein Gesicht zu stellen, wie es ihm gutdünkte.

„Nun, nun,“ fuhr er fort, „man macht so seine Scherze. Der Tag sieht am Abend anders aus wie am Morgen. Also auf den Tag einen Monat soll Euer Brautstand dauern. Dann gibt es Hochzeit.“

Unserem Wijasingha war, als ob man ihm nach der Aloe Honig in den Mund steckte.

„Nun aber rühr’ Dich,“ fuhr de Soysa fort, „daß Du Deine Frau in ein Heim führen kannst, wie es sich für Dich und mich gehört.“

„Ich dachte, in der Umgegend der Stadt ein kleines Häuschen zu erwerben und da einfach und zufrieden zu leben.“

„Laß den Gedanken fahren. Mein Schwiegersohn kann nicht wie ein Bauer oder Krämer wohnen, in einer Lehmhütte.“