An Ort und Stelle machte sich der Alte sofort mit den beiden ans Werk. Es schien ihm nicht daran gelegen zu sein, den Schwiegersohn jetzt bei sich zu haben.
„Nimm die Gegend in Augenschein, derweil ich mit den Leuten rede,“ sagte er.
Das war dem schon recht. Er schlenderte gemütlich um den weiten See. Große Strecken waren entsumpft worden und harrten wieder ihrer Bestimmung. Dieses wüste Gebiet, welches heute die ganze Nordhälfte der Insel einnimmt, war früher unter den buddhistischen Königen die Kornkammer Ceylons und von Millionen bevölkert.
Die Abendmahlzeit nahmen beide gemeinschaftlich im Rasthaus ein. De Soysa war in bester Laune. Er berichtete über die Abmachungen, die er getroffen hatte. „Lies nur!“ Damit breitete er seine Papiere vor Wijasingha aus.
Der begann den Inhalt zu studieren, erst nur so obenhin, allmählich aber wurde er aufmerksam. „Vater,“ sagte er endlich, „wovon sollen denn aber die armen Leute leben? Sie müssen Dir ja alles geben.“
Der sah ihn eine Weile sprachlos an, dann sagte er: „Hab’ ich denn die Leute gezwungen, solche Abmachungen zu treffen? Hab’ ich ein Recht, eine Gewalt, sie zu zwingen? Wenn ich mein Geld arbeiten lasse, so gut ich kann und für meine Familie sorge. — Aber was sag’ ich! Ich sorge ja garnicht für mich. Ich lasse ja Dein Geld arbeiten. Zum ersten Mal in meinem Leben lasse ich mir einen Profit entgehen und gleich habe ich meinen Lohn. Es geschieht mir schon recht, mir altem Narren. Das kommt davon, wenn man mehr für andere sorgt, als für sich selbst.“
Je mehr er redete, um so heftiger wurde seine Stimme. „Überhaupt sage ich Dir, es ist ein Unterschied, ob man als Einzelner durch die Welt geht, oder ob man eine Familie hinter sich hat. So lange Du einzeln bist, magst Du tun und lassen, was Du willst, ja Du magst, wenn es Dir so beliebt, Dich in einen Winkel setzen und freiwillig verhungern. Hast Du aber Weib und Kind, so sind die Zeiten vorbei. Da heißt es: Rühr’ Dich von früh bis spät! Willst Du denn, wenn Du mal stirbst, daß Dein Weib trägt und Deine Kinder Karren ziehen! In der Ehe pfeift ein scharfer Wind, Freund. Ich weiß, Du hast allerhand Flausen im Kopf. Die Worte des Buddha sind nicht dazu da, daß man mit ihnen durch dick und dünn geht. Wer das will, der darf sich nicht verlieben. Hörst Du, nicht verlieben! Laß das, Sohn, ich meine die Kopfhängerei!“ fuhr er milder fort. „Ich warne Dich ernsthaft.“ Damit packte er die Papiere zusammen und verließ den Raum.
Wijasingha stand ein Weilchen regungslos, dann verließ auch er den Raum und das Haus. Ihm war zumut wie einem Menschen, der morgens erwacht mit dem Gefühl: Es ist etwas nicht in Ordnung mit Dir.