Als sie daher das kühle, zerstreute Wesen ihres Bräutigams sah, wendete sie sich ganz dem jungen de Soysa zu und Wijasingha saß schweigend daneben, während die beiden miteinander scherzten.
Plötzlich war ihm, als ob alle Verdrossenheit, alle innere Gereiztheit, aller Widerwille gegen de Soysa, aber auch alle Liebe gegen Lucia dahinschwänden und nichts bliebe, als eine unwiederstehliche Neigung nachzudenken.
Sein Auge lag sinnend auf den feinen Linien seiner Braut, aber weil die Sinnlichkeit ihn verlassen hatte, so suchte er im Nachdenken dieses Wesen da vor ihm gleichsam zu analysieren, in seine Bestandteile aufzulösen. Es wurde ihm klar und klarer: „Das, was mich bisher in einem Taumel gehalten hat, das wird in längerer oder kürzerer Zeit dahin sein. Lohnt es sich, deswegen seine Ruhe und Unabhängigkeit hinzugeben? Sind sie nicht auch Güter, ebenso süß wie die Sinnenlust? — Wenn ich das aber alles lasse, wofür lebe ich dann noch? — Und plötzlich: Wofür lebe ich überhaupt? Wofür leben die Menschen? Wozu ist dieses alles?“
Ein plötzliches Staunen ergriff ihn, daß überhaupt etwas da sei und für einen Augenblick durchzuckte ihn die Einsicht, gleichsam fühlbar, wie jemand seine eigenen Glieder fühlt: Ist etwas da, kann es nie nicht dagewesen sein; muß von Anfangslosigkeit her da sein. Ist es so, nun so muß man eben dem Heiligen, dem vollkommen Erwachten folgen. Dann gibt es ja kein anderes Ziel als das Aufhören, das Eingehen, das Verlöschen.
Indem trat der alte de Soysa ein und erfüllte mit seiner dröhnenden Lustigkeit den ganzen Raum.
Wijasingha verabschiedete sich so bald es anging und noch am selben Abend schrieb er an seine Braut sowohl wie an deren Vater, daß er entschlossen sei, alle weltlichen Pläne fallen zu lassen und Mönch zu werden.
Am nächsten Morgen in aller Frühe fuhr er nach Ratmalana hinaus, um dort im „Kloster zum allervorzüglichsten Gesetz“ um Aufnahme zu bitten.
Während er aber in der weiten Vorhalle auf das Erscheinen des Abtes wartend auf und ab ging, hörte er nicht das ruhevolle Rauschen der Palmwedel, das nur eine Melodie singt: „Laß fahren, es ist nicht der Mühe wert!“, sondern er hörte vor seinem geistigen Ohre die Stimme seiner Braut, er meinte sie vor sich zu sehen in ihrer wollusterregenden Schönheit, die ganz Colombos Jugend in Bann hielt. „Auf dich hat sie ein ganzes Jahr gewartet, während alles ihr zuflog. Wonach andere sich hoffnungslos sehnen, das wirfst du Narr leicht von dir.“
So sprang er, von seinen Empfindungen überwältigt, kurz entschlossen in das draußen wartende Ochsenwägelchen, ohne den Abt abzuwarten, und fuhr schnurstracks nach Colombo zurück, um womöglich gut zu machen, was noch gut zu machen war.
Trotz seiner Angst vor dem Alten trat er entschlossen in die Vorhalle und ließ sich vom Diener melden. Der aber kam sogleich mit der Botschaft zurück, daß niemand zu sprechen wäre.