„Mein Gott, mein Gott, was soll das nur geben? Ich habe es ja kommen sehen, aber jetzt — was soll das nur geben!“
Trotz ihrer Aufregung mußte sie mein Befremden fühlen. Plötzlich sagte sie:
„Setzen Sie sich. Ich muß Ihnen das alles erzählen.“
Sie nahm mir gegenüber Platz und blickte mit eng zusammengezogenen Brauen starr vor sich auf den Boden. Nach einem Weilchen begann sie:
„Ich bin nicht die rechte Tochter. Mein Vater heiratete schon als älterer Mann meine Mutter sozusagen von der Straße weg — wegen ihrer Schönheit.
Gleich nach der Verheiratung merkte er aber, daß sie bereits ein Kind unter dem Herzen trug. Er wollte sie im ersten Zorn sofort verstoßen, ließ sich dann aber durch die inständigen Bitten meiner Mutter bewegen, sie bis nach ihrer Entbindung bei sich zu behalten. Dann wollte er selber in den Orient gehen, wo er schon vorher lange Jahre gelebt hatte, meine Mutter aber sollte in ihre Heimat zurückkehren.
Mein Vater hielt sich während dieser ganzen Zeit völlig fern von meiner Mutter. Nach der Entbindung aber mochte wohl das natürliche Mitgefühl ihn übermannt haben. Am Morgen war ich geboren. Gegen Abend, so erzählte mir später meine Mutter, trat er in das Krankenzimmer, blieb nachdenklich neben dem Bettchen stehen, in dem ich gerade lag, und spielte mit meinen zur Faust zusammengekniffenen Fingerchen.
Dabei geschah es, daß ich seine Finger umklammerte und nicht wieder los ließ.
Die Wärterin lachte laut auf vor Vergnügen und rief zur Mutter hinüber: