In der Villa Lamondt’s angekommen, mußte Savade einige Zeit im Empfangszimmer warten. Es war noch etwas früh am Vormittag. Aus langer Weile musterte er die kleine Bibliothek, die in einem Schränkchen in der Ecke stand. Zu seinem Erstaunen fand er hier eine Reihe philosophischer Bücher. „Potz tausend“, dachte er, „hat sich Lamondt in Java das Philosophieren angewöhnt! Er hatte doch in Rotterdam, weiß Gott! keine philosophische Ader.“ Er lachte leise. „Oder sollte vielleicht die Frau — das wäre ja ganz etwas seltenes.“ Erwartungsvoll blickte er nach der Tür, in der Frau Lamondt vermutlich erscheinen mußte.
Gerade in diesem Moment trat sie ein. Sie trug ein langes, faltiges Musselin-Kleid von weißer Farbe, das mit einem gelben Seidengürtel zusammen gehalten wurde. Die Füße waren einheimischer Sitte gemäß mit Sandalen bekleidet. Der javanische Sarong, den viele holländische Damen bis zum Mittag tragen, sagte ihrem Geschmack nicht zu.
Frau Lamondt kannte Savade ebenso, wie er sie kannte, das heißt aus den Erzählungen Lamondts.
Als die gegenseitige Begrüßung vorüber war, begann Savade direkt:
„Ich sehe mit Erstaunen diese Kollektion philosophischer Autoren —“.
Er hielt erwartungsvoll einen Augenblick inne.
„Es sind meine Bücher.“
„O!“
Er konnte das Erstaunen nicht ganz verbergen. Sie sah noch so kindlich aus.