Die junge Frau seufzte etwas.

„Aber,“ fuhr Savade heiter fort, „vielleicht ist Philosophie für einen Ehemann just nicht so notwendig. Ich dächte, wirklich zur Leibes Nahrung und Notdurft gehört sie nur bei solchen, die entschlossen sind, allein durch’s Leben zu gehen. Ihnen muß sie jene Stütze ersetzen, die in der Ehe einer dem andern liefert. Sie muß der Einsamkeit ihren Stachel nehmen und muß lehren, den Gedanken an einsames Sterben nicht zu fürchten.“

„Meinen Sie nicht, daß sie noch höhere Zwecke zu erfüllen hat?“

„O, das ist nur die uns zugewandte, beschränkte Seite. Aber da ist noch jene andere, uns abgewandte, auf die ganze Menschheit zugewandte Seite.“

Er brach ab und trat wieder zu dem Bücherschränkchen. Er nahm einzelne Bände heraus und betrachtete sie fast zärtlich.

„Kant, Fichte, Schelling. Gerade meine Lieblinge. Und hier sogar der göttliche Plato.“

„Haben Sie den auch gelesen?“ fragte Frau Lamondt eifrig.

„Ich habe die Morgenstunden eines ganzen Jahres auf diese Lektüre verwandt. Es war eine erhebende Zeit.“

„Segelten Sie auch auf der hohen See des Schönen?“