Er nickte ihr freundlich, fast vertraulich zu, ohne zu antworten. Diese Stelle aus dem „Gastmahl“ hatte ihm auch stets besonders gefallen.

„Ich sehe mit Vergnügen, daß der Pessimismus hier nicht vertreten ist.“

„Nein,“ antwortete sie schnell, „der Pessimismus hat hier keinen Platz. Ich glaube an die Menschheit und an ihre Ideale als an mein Evangelium. Ich kenne kein höheres Evangelium.“

„Ja, was wäre das Leben ohne diese höchsten Ziele, ohne diese Ideale. Sie sind das menschlichem Verstand faßbar gewordene Göttliche in uns, wenn wir die Höhe dieser Ideale fühlen.“

Ein merkwürdiges Leben begann in den Augen der Frau ihm gegenüber aufzuleuchten. Er sah es und dachte: „Sie ist der Philosophie wahrhaft ergeben. Wie selten!“ Er wußte, daß die meisten, Männer wie Frauen, mit der Philosophie nur kokettieren.

In dem trat Lamondt ein.

Er war nie schlechter Laune, aber heute war er offenbar besonders heiter. Er drückte dem Freunde noch mal die Hand. „Willkommen in meinem neuen Heim,“ sagte er treuherzig. „Wenn Du wüßtest, wie viel Glück unter diesem Dach wohnt.“ Es schien ihn etwas wie Rührung übermannen zu wollen und schnell in einen burschikosen Ton überschnellend rief er aus:

„Savade, alter Junggeselle! Warum heiratest Du nicht!“ Damit trat er auf sein Weib zu und küßte sie. Plötzlich sah er sie genauer an!

„Na nu, Tutti, Du hast ja heute mal ordentlich Farbe. Woher kommt denn das?“