Nachdem man sich zu Tisch gesetzt hatte, begann Lamondt:
„Wundere Dich nicht über unseren einfachen Tisch. Es geschieht auf Wunsch meiner Frau. Und ich füge mich, wie immer.“ Er klopfte ihr kosend auf die Hand, „Du mußt wissen, sie hieß schon als Mädchen unter ihren Gespielinnen der spartanische Jüngling.“
„Ich freue mich schon auf die schwarze Suppe,“ rief Savade lustig.
„Nun, so schlimm kommt es nicht. Aber Du wirst ja sehen.“
„Was können Sie zu Ihrer Verteidigung vorbringen, gnädige Frau?“
Frau Lamondt erwiderte lächelnd:
„Zweierlei kann ich vorbringen. Erstens liebe ich diese holländische Manier nicht, bei einer Mahlzeit, die man mit dem harmlosen Wort ‚Reistafel‘ bezeichnet, Eier-, Fleisch- und Fisch-Speisen schwersten Kalibers auf einander zu häufen, so daß man schließlich nicht mehr von ‚Reistafel‘, sondern nur noch von ‚Fleischtafel‘ reden kann. Zweitens halte ich Essen für ein notwendiges Übel, für eine Last. Und welcher verständige Mensch sucht nicht das Vergnügen. Ich denke aber, am leichtesten ist das Vergnügen zu vermehren durch Verminderung unser Lasten und Unannehmlichkeiten.“
„Sie wären der Freundschaft Epikurs wert, gnädige Frau.“
„Und Sie, mein Herr, fürchte ich, wären ihrer nicht wert, weil Sie schmeicheln.“