Lamondt schien kaum hierauf zu hören. Totenblaß saß er immer noch da. Es trat ein bleiernes Schweigen ein. Die junge Frau stand da, den Blick zu Boden gesenkt, die Lippen fest aufeinander gepreßt, wie einer, der auf den Angriff wartet und den Rückschlag gibt, noch ehe er den Schlag erhalten hat.
Endlich begann Lamondt:
„Aber muß denn das sein?“
Heftig erwiderte sie: „Frage nicht. Es muß sein. Ich kann nicht anders. Versuche nicht mich von meinem Entschluß abzubringen. Es wäre vergebliche Mühe.“ In sanfterem, fast bittenden Tone fuhr sie fort:
„Wollen wir nicht alles im Guten ordnen. Es erleichtert uns beiden das Ganze so sehr. Du mußt ja selber einsehen, daß jetzt, wo einmal das entscheidende Wort gesprochen ist, jeder Tag des Zusammenlebens zur Qual wird.“
Wie in stiller Verzweiflung fuhr sich Lamondt an den Kopf. „Mein Gott, mein Gott, was soll das nur geben.“ Der kalte Schweiß rann ihm über die Stirn. Mechanisch wischte er mit der Hand darüber hin.
„Lamondt, denkst Du, meine Qualen sind geringer wie Deine? Was geschieht, geschieht für mich so unabänderlich wie für Dich. Auch ich muß mich fügen und im ruhigen Hinschauen auf die Unabänderlichkeit des Schicksals Trost suchen.“ Dann plötzlich abbrechend begann sie:
„Du fährst jetzt in die Stadt?“
Lamondt nickte stumm.
„So fahre ich mit Dir. Ich will sofort zum Rechtsanwalt und dort das Nötige einleiten.“