Diese Beispiele mögen genügen, um zu zeigen, wie befruchtend der Krieg und seine Forderungen auf das gesamte wirtschaftliche Leben eingewirkt haben.
Auch an der Organisation der Truppe wurde eifrig weiter gearbeitet. Durch Abgabe der in den Schützenkompagnien zahlreich vorhandenen Europäer an die Askarikompagnien wurde deren Abgang an Europäern gedeckt; Askari wurden in die Schützenkompagnien eingestellt. So wurden Feld- und Schützenkompagnien in ihrem Bestande gleichartiger und im Laufe des Jahres 1915 einheitlich. In Muansa, Kigoma, Bismarckburg, Lindi, Langenburg und an anderen Orten hatten sich unter den verschiedensten Bezeichnungen kleinere Truppenverbände gebildet, von deren Bestehen das Kommando meist erst nach längerer Zeit Kenntnis erhielt. Auch diese Formationen wurden allmählich zu Kompagnien ausgebaut; so erhöhte sich im Laufe des Jahres 1915 nach und nach die Zahl der Feldkompagnien auf 30, der Schützenkompagnien auf 10, die anderer Verbände von Kompagniestärke auf etwa 20; im ganzen wurde so die Höchstzahl von 60 Kompagnien erreicht. Bei der begrenzten Zahl von geeigneten Europäern und zuverlässigen Askarichargen war es nicht angezeigt, die Zahl der Kompagnien noch weiter zu erhöhen; es wären dann nur Verbände ohne inneren Halt ins Leben getreten.
Verpflegung bringende Weiber
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GRÖSSERES BILD
Um trotzdem die Gesamtzahl der Streiter zu steigern, wurde der Etat der Kompagnien von 160 auf 200 Askari erhöht und den Kompagnien gestattet, über diesen Etat hinaus Askari einzustellen. Die Kompagnien bildeten ihre Rekruten zum Teil selbst aus. Die große Masse des Nachschubs an Askari kam aber aus den in den bevölkerten Gebieten von Tabora, Muansa und an der Nordbahn eingerichteten Rekrutendepots, die zugleich die lokale Sicherung und Ordnung aufrechterhielten. Bei der großen Zahl der neu aufgestellten Kompagnien war es für die Rekrutendepots aber nicht möglich, so viel Nachschub zu liefern, daß bei den Kompagnien durchweg der Etat von 200 Mann erreicht wurde. Die erreichte Höchstzahl der Truppe betrug Ende 1915 2998 Europäer und 11300 Askari, einschließlich Marinepersonal, Verwaltungsbehörden, Lazarette und Feldpost.
Wie notwendig alle diese kriegerischen Vorbereitungen waren, bewies die Ende Juni 1915 eintreffende Nachricht, daß aus Südafrika der General Botha mit 15000 Buren auf dem Kriegsschauplatz in Ostafrika eintreffen würde. Dieser Nachricht mußte von Anfang an große Wahrscheinlichkeit zugesprochen werden. Die lückenhaften Funksprüche und die wenigen Mitteilungen über die Vorgänge in der Außenwelt hatten erkennen lassen, daß die Verhältnisse in Südwest-Afrika für uns ungünstig standen, und daß die dort verwandten britischen Truppen wahrscheinlich in nächster Zeit anderweitig verfügbar werden würden.
Achter Abschnitt
In Erwartung der großen Offensive. Energische Ausnutzung der noch zur Verfügung stehenden Zeit
Zunächst allerdings schien sich dieses erwartete Eingreifen der Südafrikaner nicht zu bestätigen; offenbar versuchte der Engländer uns ohne deren Mithilfe mit eigenen Kräften niederzuringen. Im Juli 1915 griff er die Kolonie an verschiedenen Stellen an. Östlich des Viktoriasees erschienen große von Engländern organisierte und geführte Masaibanden, angeblich viele Tausende, die in die viehreichen Gebiete der deutschen Wassukuma, östlich des Viktoriasees, einfielen. Im Punkte des Viehraubes verstanden die Wassukuma aber keinen Spaß, sondern leisteten unseren schwachen Posten jede Hilfe, schlugen die Massai, nahmen ihnen das geraubte Vieh wieder fort, und zum Zeichen, daß sie „wahr gesprochen“ hatten, legten sie 96 abgeschnittene Masaiköpfe vor unserer Polizeistation nieder.
Gegen den Hauptteil der Truppe im Kilimandjarogebiet ging der Feind mit erheblichen Kräften vor. Um einerseits eine wirksame Sicherung der Usambarabahn und ihrer reichen Pflanzungsgebiete durchzuführen und andererseits den Weg der Patrouillen zur Ugandabahn abzukürzen, war von Taveta aus eine Abteilung von 3 Kompagnien, bis Mbujuni, einen starken Tagesmarsch östlich Taveta, vorgeschoben worden. Einen weiteren Tagesmarsch östlich lag das gut besetzte und befestigte englische Lager Makatau, an der Hauptstraße, die von Moschi über Taveta, Mbujuni, Makatau, Bura nach Voi an der Ugandabahn führt. Dunkle Gerüchte hatten vermuten lassen, daß von Voi her eine neue größere Unternehmung in Richtung auf den Kilimandjaro zu erwarten stand.