Bei der Unzulänglichkeit der Verkehrsmittel der Kolonie war es nicht möglich, gegen diese verschiedenen, längs der Grenze aufmarschierten feindlichen Abteilungen schnell unsere Hauptkräfte abwechselnd gegen die eine, dann gegen eine andere einzusetzen. Wir mußten daher an dem Hauptgedanken unserer Kriegführung festhalten, vom Gebiete der Nordbahn aus den dort gegenüberstehenden Feind kräftig anzufassen und auf diese Weise mittelbar auch die anderen Stellen, an denen Krieg geführt wurde, zu entlasten. Notgedrungen mußten aber diese Nebenstellen gelegentlich verstärkt werden.

So waren September 1914 von Iringa und Ubena aus die Hauptleute Falkenstein und Aumann mit Teilen der 2. Kompagnie in den Bezirk Langenburg gerückt. März 1915 wurde die 26. Feldkompagnie von Daressalam über Tabora nach Muansa geschoben. Im April 1915 veranlaßten die Truppenansammlungen des Feindes im Maradreieck (östlich des Viktoriasees) und bei Bismarckburg weitere zeitraubende Truppenverschiebungen aus Daressalam über Muansa zum Maradreieck, sowie über Kigoma nach Bismarckburg; letztere wurden auf dem Tanganjikasee durch den langsam fortschreitenden Bau des in Kigoma liegenden Dampfers „Goetzen“ noch besonders verzögert.

Zunächst richteten sich die feindlichen Angriffe hauptsächlich auf die Küste.

Unser kleiner Kreuzer „Königsberg“ war zu Anfang des Krieges aus dem Hafen von Daressalam ausgelaufen und hatte am 20. September 1914 bei Zanzibar den englischen Kreuzer „Pegasus“ überrascht und zusammengeschossen. Darauf waren mehrere große feindliche Kreuzer eingetroffen, die eifrig nach der „Königsberg“ suchten. Am 19. Oktober fuhr eine Pinaß bei Lindi zu dem im Lukuledifluß versteckten Dampfer „Präsident“ der Ostafrika-Linie. Die in Lindi aufgestellte Schutzgebietswehr und Ersatzkompagnie war unter Hauptmann Augar gerade zur Abwehr einer bei Mikindani vermuteten Landung abwesend, so daß gegen die Pinaß nichts unternommen werden konnte.

Erst am 29. Juli 1915 sprengten mehrere Walfischfänger, die den Lukuledi aufwärts fuhren, den dort liegenden Dampfer „Präsident“.

Unser kleiner Kreuzer „Königsberg“ hatte sich nach erfolgreichen Kreuzfahrten im Indischen Ozean in der Rufidjimündung versteckt. Sein Aufenthalt war aber dem Feinde bekannt geworden. Der Fluß bildet hier ein weit verzweigtes und sehr unübersichtliches Delta, dessen Inseln mit dichtestem Busch bewachsen sind. Die Ausgänge der einzelnen Wasserarme wurden von der Abteilung „Delta“, einer aus Marinemannschaften, eingezogenen Europäern und Askari gebildeten Schutztruppenabteilung von etwa 150 Gewehren, einigen leichten Geschützen und einigen Maschinengewehren unter dem Korvettenkapitän Schoenfeld verteidigt. Die vielfachen Versuche des Feindes, mit leichten Fahrzeugen in die Flußmündung hineinzufahren, wurden stets mit erheblichen Verlusten für ihn abgewiesen. Der „Adjutant“, ein kleiner Dampfer, den die Engländer als gute Prise genommen und armiert hatten, war ihnen bei dieser Gelegenheit wieder abgenommen worden und diente uns fortan als Hilfskriegsschiff auf dem Tanganjikasee. Auch einige englische Flugzeuge waren an der Rufidjimündung zu Schaden gekommen. Ein Sperrschiff, welches die Engländer in der nördlichsten der Rufidjimündungen versenkt hatten, hatte seinen Zweck, das Fahrwasser zu sperren, nicht erfüllt. Den mehrfachen Beschießungen mit Schiffsgeschützen, gegen die er an sich machtlos war, war Kapitän Schoenfeld durch geschickte Anlage seiner Stellungen und rechtzeitige Veränderung derselben begegnet. Anfang Juli 1915 hatten die Engländer zwei flachgehende, mit schweren Geschützen besetzte Kanonenboote zum Rufidji herangebracht. Am 6. Juli erfolgte der erste Angriff von 4 Kreuzern, 10 anderen armierten Schiffen, 2 Flußkanonenbooten. Die feindlichen Schiffe beschossen unter Fliegerbeobachtung die „Königsberg“, die im Fluß vor Anker lag. Der Angriff wurde abgeschlagen; aber bei seiner Wiederholung am 11. Juli hatte die „Königsberg“ schwer zu leiden. Die Bedienungsmannschaften der Geschütze wurden außer Gefecht gesetzt. Der schwer verwundete Kommandant ließ die Verschlüsse der Geschütze über Bord werfen und das Schiff sprengen. Der an sich schmerzliche Verlust der „Königsberg“ hatte wenigstens für den Kampf an Land das Gute, daß das gesamte Personal und das wertvolle Material nunmehr der Schutztruppe zur Verfügung standen.

Korvettenkapitän a. D. Schoenfeld, der an der Rufidjimündung an Land den Befehl hatte, machte sich dann sofort mit großer Umsicht daran, die über Bord geworfenen Geschützteile wieder heraufzuholen. Unter seiner Leitung wurden die 10 Geschütze der „Königsberg“ vollzählig geborgen und wieder feuerbereit gemacht; 5 fanden Aufstellung in Daressalam, je 2 in Tanga und Kogoma und 1 in Muansa. Für den Transport konnte Schoenfeld einige für schwere Lasten gebaute Fahrzeuge verwenden, die sich auf einer nahen Pflanzung vorfanden. Die Geschütze haben in ihren gegen Sicht gedeckten Stellungen an Land vortreffliche Dienste geleistet, und meines Wissens ist bei dieser Art der Verwendung trotz der zahlreichen Beschießungen durch feindliche Schiffe nicht ein einziges beschädigt worden.

Am 26. September 1915 wurde der Dampfer „Wami“ nachts aus dem Rufidji nach Daressalam gebracht.

Ende August kamen mehrere Boote mit Mannschaften vom Dampfer „Ziethen“ aus Mozambique in Lindi an, um in die Truppe einzutreten.

Auf Mafia landeten am 10. Januar 1915 etwa 300 Mann indischer und schwarzer Truppen mit Maschinengewehren. Unsere aus 3 Europäern, 15 Askari und 11 Rekruten bestehende Polizeitruppe leistete 6 Stunden tapferen Widerstand, ergab sich dann aber nach Verlust ihres schwer verwundeten Führers, des Leutnants d. Res. Schiller, der von einem Mangobaum aus ein wohlgezieltes Feuer auf den Feind unterhalten hatte. Die Engländer hielten Mafia durch einige hundert Mann besetzt und richteten auch auf den kleineren Inseln in der Umgebung Beobachtungsposten ein.