Am Viktoriasee standen die 7. Kompagnie in Bukoba und die 14. Kompagnie in Muansa mit einander in funkentelegraphischer Verbindung. Die Herrschaft auf dem See war unbestritten in englischer Hand, da der Feind hier mindestens über 7 große Dampfer verfügte. Trotzdem aber konnten unser kleiner Dampfer „Muansa“ sowie auch andere kleinere Fahrzeuge sich große Bewegungsfreiheit bewahren. Während nun der Resident von Bukoba, Major a. D. von Stuemer, die Grenze mit seiner Polizei und mit Hilfskriegern der befreundeten Sultane deckte, war Hauptmann Bock von Wülfingen mit dem Hauptteil der 7. Kompagnie von Bukoba nach Muansa gerückt. Von dort aus marschierte er Anfang September 1914 mit einem aus Teilen der 7. und 14. Kompagnie sowie Wassukumarekruten und Hilfskriegern gemischten Detachement am Ostufer des Viktoriasees nach Norden gegen die Ugandabahn vor. Am 12. September warf er jenseits der Grenze bei Kisii eine feindliche Abteilung zurück, zog dann aber auf die Meldung vom Anmarsch weiterer feindlicher Streitkräfte nach dem Süden ab. Die Grenze östlich des Viktoriasees wurde dann nur durch schwächere Abteilungen verteidigt.

Die Kriegsführung am Viktoriasee war für uns recht schwierig; stets bestand die Gefahr, daß der Feind bei Muansa oder an einem anderen Orte des Südufers landete, Usukuma in die Hand bekam und die historische Hauptstadt des Landes, Tabora, bedrohte. Blieben unsere Truppen in der Gegend von Muansa, so waren aber die Gebiete um Bukoba und infolgedessen auch Ruanda bedroht. Am meisten Aussicht am Viktoriasee versprach noch eine aktive Kriegführung unter einheitlicher Leitung. Aber auch die Durchführung dieser Absicht war nicht ganz leicht, da der hierfür in erster Linie in Betracht kommende Major von Stuemer durch seine Tätigkeit als Resident an den Bezirk Bukoba gefesselt wurde, während doch Muansa gerade das wichtigere war.

Ende Oktober 1914 war der Versuch, einen Teil der Truppen von Muansa auf Booten wieder nach Bukoba zu transportieren, durch das Erscheinen armierter englischer Schiffe bei Muansa gescheitert. Anscheinend hatte der Feind unseren funkentelegraphischen Verkehr entziffert und daraufhin seine Gegenmaßregeln getroffen. Die zur Unterstützung Bukobas am 31. Oktober 1914 auf Dampfer „Muansa“ von Muansa mit 2 Schleppern und 10 Dhaus abgehende Expedition von 570 Gewehren, 2 Geschützen und 4 Maschinengewehren wurde am gleichen Morgen durch plötzlich auftretende feindliche Dampfer zerstreut, aber bald wieder ohne Verluste in Muansa gesammelt. Ein englischer Landungsversuch bei Kajense nördlich Muansa wurde am gleichen Tage verhindert, der englische Dampfer „Sybil“ nach einigen Tagen bei Majita gestrandet gefunden und zerstört.

Am 20. November warf Abteilung Stuemer nördlich Bukoba die in das deutsche Gebiet eingedrungenen englischen Truppen in zwölfstündigem Gefecht zurück und schlug sie erneut, als sie den Kagerafluß überschritten hatten, bei Kifumbiro. Am 5. Dezember 1914 haben die Engländer Schirati, am 6. Dezember Bukoba ohne Erfolg von See aus beschossen.

Kleinere Patrouillengefechte fanden östlich und westlich des Viktoriasees dauernd statt. Einen größeren Schlag versuchte der Feind am 8. Januar 1915, wo er mit 6 Geschützen und mit Maschinengewehren von See aus Schirati beschoß und 2 indische Kompagnien und eine größere Anzahl berittener Europäer landete. Oberleutnant von Haxthausen mit seinen 22 Gewehren war nach 3-1/2stündigem Gefecht vor der Übermacht ausgewichen. Der Feind verstärkte sich dann in den nächsten Tagen auf 300 Europäer, 700 Inder. Am 17. Januar schlug Haxthausen dann 70 Europäer, 150 Askari mit 2 Maschinengewehren an der Grenze, und am 30. Januar räumte der Feind Schirati wieder und schiffte sich nach Karungu ein. Ich glaube, daß dieser Abzug eine Folge der schweren Niederlage war, die der Feind inzwischen, am 18. Januar, bei Jassini erlitten hatte. Er hielt es für geboten, seine Truppen wieder an die Ugandabahn zu schneller Verfügung heranzuziehen.

Westlich des Sees überfiel Hauptmann von Bock nördlich Kifumbiro einen 40 Mann starken feindlichen Posten und jagte ihn mit einem Verlust von 17 Gefallenen zurück.

Englische Schiffe hatten am 1. März 1915 den Dampfer „Muansa“ an der Rugesidurchfahrt angegriffen. „Muansa“ war leck geworden und fuhr dicht an Land auf. Ein Abschleppungsversuch durch den Feind wurde durch unser Feuer verhindert, so daß es glückte, am nächsten Tage den Dampfer zu bergen und nach Muansa in Sicherheit zu bringen, wo er repariert wurde. Bei der Schwierigkeit der Truppenverschiebungen zu Wasser zwischen Muansa und Bukoba war weiterhin eine gemeinsame Befehlsführung unzweckmäßig; die Befehlsführer beider Bezirke wurden deshalb unmittelbar dem Kommando unterstellt.

Landungsversuche der Engländer wurden am 4. März in der Moribucht, am 7. März bei Ukerewe, am 9. März bei Musoma von unseren Posten abgeschlagen. Bei Schirati fanden zu gleicher Zeit mehrere Patrouillengefechte statt, bei denen der Führer, Oberleutnant Recke, fiel und unsere Patrouillen zerstreut wurden. Am 9. März schlug Oberleutnant von Haxthausen mit 100 Europäern und Askari am Maikaberg einen vierfach überlegenen Feind; nach einem feindlichen Verlust von 17 gefallenen Weißen und einer größeren Anzahl Askari zog der Gegner ab. Bei uns waren ein Europäer und 10 Askari gefallen, 2 Europäer, 25 Askari verwundet, ein Europäer verwundet gefangengenommen worden. Außer der bereits erwähnten 26. Feldkompagnie wurde Muansa durch 100 Askari aus dem Bezirk Bukoba verstärkt, die am 6. April dort eintrafen.

Anfang April wurden auch einige Punkte der Ostküste von See aus beschossen, gleichzeitig machten Masai einen Einfall östlich des Sees, töteten einen Missionar und mehrere Eingeborene und raubten Vieh. Mitte April rückte Hauptmann Braunschweig von Muansa mit 110 Europäern, 430 Askari, 2 Maschinengewehren und 2 Geschützen zum Maradreieck ab und verstärkte Oberleutnant von Haxthausen. In Muansa blieben über 500 Gewehre zurück.

Am 4. Mai wurden einem englischen Dampfer in der Marabucht 3 Treffer durch ein Geschütz C/73 beigebracht und hierdurch anscheinend eine Truppenlandung verhindert. Am 12. Mai wurden bei Majita 300 Mann gelandet, fuhren aber schon am 18. Juni wieder ab und schleppten das Wrack der „Sybil“ mit sich. Auch das Maradreieck hatte der 900 Mann starke Feind am 20. Mai wieder geräumt und sich jenseits der Grenze auf mehreren Bergen verschanzt. Beschießungen der Küste fanden in jener Zeit des öfteren statt.