Major von Stuemer hielt seit Anfang Dezember 1914 eine weit ausgedehnte Stellung am Kagera besetzt. Allmählich wurde der auf etwa 300 Mann geschätzte Feind reger. Es schien, als ob er Übersetzmaterial für den Kagera vorbereitete, seine Schiffe zeigten sich häufiger in der Sangobucht.
An der Grenze von Schirati wurde in der Nacht vom 4. zum 5. Juni 1915 der Posten Becker, 10 Askari stark, durch 10 Europäer und 50 Inder vom 98. Regiment umzingelt. In das Gefecht griff auch ein armierter Dampfer ein. Der Feind wurde aber geschlagen und verlor 2 Europäer und 5 Askari an Toten.
Es mag hier erwähnt werden, daß die feindlichen bewaffneten Späher sich auch an der Schiratigrenze der Giftpfeile bedienten.
Am 21. Juni griffen die Engländer mit 800 Europäern, 400 Askari, 300 Indern, 3 Geschützen und 8 Maschinengewehren, die durch das Feuer der armierten Dampfer verstärkt wurden, Bukoba an. Unsere wenig über 200 Gewehre starke Besatzung räumte den Ort nach zweitägigem Kampfe. Der Feind plünderte ihn, zerstörte den Funkenturm und fuhr am 24. Juni in Richtung auf Kissumu wieder ab. Er hatte schwere Verluste erlitten. Nach seiner Angabe waren 10 Europäer gefallen, 22 verwundet. Deutscherseits war aber beobachtet worden, daß ein Dampfer mit 150 Toten und Verwundeten abgefahren war. Auf unserer Seite waren 2 Europäer, 5 Askari, 7 Hilfskrieger gefallen, 4 Europäer, 30 Farbige verwundet, das Geschütz verloren gegangen.
Von den Ereignissen der folgenden Zeit ist zu erwähnen, daß Bukoba am 18. Juli 1915 ohne Erfolg beschossen wurde. In Mpororo ging ein größerer Häuptling zu den Engländern über. In Muansa traf am 12. September eins der 10,5 cm-„Königsberg“-Geschütze ein; dort waren aus Wassukumaleuten mit der Zeit 5 Kompagnien neugebildet worden.
Es machte den Eindruck, daß der Feind sich gegenüber Bukoba hinhaltend verhielt und Truppenverschiebungen von dort nach Kissenji vornahm. Am 29. Oktober wurde ein englischer Angriff durch etwa 100 Gewehre, mit Maschinengewehren, Geschütz und einem Minenwerfer gegen unsere Kagerastellung mit anscheinend großen Verlusten für den Feind abgewiesen. Auch am 4. und 5. Dezember blieben englische Angriffe am unteren Kagera erfolglos. Mehrere feindliche Abteilungen drangen in die Landschaft Karagwe ein. Den Befehl in Bukoba übernahm Ende 1915 Hauptmann Gudovius, bisher Bezirksamtmann in Pangani, dem die neu zusammengestellte 7. Reservekompagnie als Verstärkung für Bukoba folgte.
In Ruanda führten die durchgreifenden Maßnahmen des dortigen Residenten, des Hauptmanns Wintgens, zu guten Erfolgen. Er überraschte am 24. September 1914 die Insel Idschwi im Kiwusee und nahm den dortigen belgischen Posten mit seinem Stahlboot gefangen. Ein anderes Stahlboot hatte Oberleutnant z. S. Wunderlich, der mit einigen Mannschaften der „Möwe“ zum Kiwusee gerückt war, auf einem requirierten Motorboot gleichfalls genommen. Am 4. Oktober warf Wintgens nördlich Kissenji mit seinen Polizeiaskari, Hilfskriegern und einigen Leuten der „Möwe“ 4 belgische Kompagnien mit schweren Verlusten für den Feind zurück. Nach weiteren kleineren Zusammenstößen brachte Hauptmann Wintgens dann der belgischen Überlegenheit von 1700 Mann und 6 Geschützen am 20. und 30. November 1914 sowie am 2. Dezember nördlich Kissenji eine Teilniederlage bei. Am Tschahafisee warf er eine englische Postierung zurück. Ein Engländer, 20 Askari fielen, auf unserer Seite fielen 2 Askari, ein Europäer wurde schwer verwundet.
Bei Kissenji und an der Grenze fanden dann im Februar 1915 wieder mehrere kleine Zusammenstöße statt. Am 28. Mai wies Leutnant Lang mit seiner kleinen Besatzung in Kissenji den Angriff von 700 Belgiern mit 2 Maschinengewehren ab. Der Feind hatte dabei schwere Verluste, bei uns fiel ein Europäer.
Kilimandjaro