Auf dem Tanganjikasee hatte Kapitän Zimmer zu Beginn des Krieges etwa 100 Mann der „Möwe“ und in Usumbura etwa 100 Askari gesammelt; außerdem verfügte er über einige in Kigoma eingezogene Europäer und noch etwa 100 Askari der Posten von Urundi und aus Ruanda (Wintgens), im ganzen also über etwa 400 Gewehre.
Oberleutnant zur See Horn von der „Möwe“ hatte am 22. August 1914 mit dem kleinen armierten Dampfer „Hedwig von Wißmann“ ein erfolgreiches Gefecht gegen den belgischen Dampfer „Delcommune“. Es stellte sich aber später heraus, daß „Delcommune“ nicht völlig unbrauchbar geworden war. Der Kommandant der „Möwe“, Korvettenkapitän Zimmer, war nach Vernichtung seines im August 1914 gesprengten Schiffes mit seiner Mannschaft nach Kigoma gefahren. Der Dampfer „Kingani“, der von Daressalam mit der Bahn gleichfalls dorthin transportiert worden war, sowie verschiedene kleinere Fahrzeuge auf dem Tanganjikasee wurden dann armiert und durch Korvettenkapitän Zimmer in Dienst gestellt. Auch setzte er ein 9 cm-Schiffsgeschütz auf ein Floß und beschoß eine Anzahl der belgischen Küstenstationen. Kigoma selbst befestigte er stark und baute es zu einem Stützpunkt für die Seekriegführung auf dem Tanganjikasee aus.
Die eine halbe Kompagnie starke Abteilung Bismarckburg warf im Verein mit den armierten kleinen Dampfern „Hedwig von Wißmann“ und „Kingani“ am 20. November 1914 in der Bucht westlich Bismarckburg eine belgische Kompagnie zurück, erbeutete vier 11 mm-Maschinengewehre sowie 150 km Telegraphendraht, der für die im militärischen Interesse dringend notwendige Verlängerung der Linie Kilossa-Iringa auf Neu-Langenburg zu verwandt wurde.
Anfang Oktober hatten Versuche, den bei Baraka auf der Kongoseite liegenden belgischen Dampfer „Delcommune“ vollends zu zerstören, nicht zum Erfolg geführt. Seit der nochmaligen Beschießung am 23. Oktober sah Kapitän Zimmer „Delcommune“ als erledigt an. Die Besatzung von „Hedwig von Wißmann“ überraschte am 27. Februar 1915 einen belgischen Posten bei Tembwe und erbeutete dessen Maschinengewehr. Ein belgischer Offizier und 10 Askari fielen, ein schwer verwundeter belgischer Offizier und ein Engländer wurden gefangen. Bei uns fiel ein Askari, ein Europäer wurde tödlich, ein Askari schwer verwundet.
Im März 1915 nahmen die Belgier in Ubwari, dessen Bewohner sich deutsch-freundlich gezeigt hatten, Massenverhaftungen vor und hängten eine Anzahl Leute auf.
Nach aufgefangenen Funksprüchen sind im Juni auf dem Tanganjika mehrere belgische Walfischboote fertiggestellt gewesen; an einem neuen belgischen Dampfer, dem „Baron Dhanis“, wurde gearbeitet. Deutscherseits wurde am 9. Juni 1915 Dampfer „Goetzen“ fertiggestellt und von der Truppe übernommen. Er hat bei den Truppenverschiebungen auf dem Tanganjika wertvolle Dienste geleistet. Bei Bismarckburg war die dortige Polizeitruppe unter dem tüchtigen Verwalter des Bezirks, Lt. d. Res. Haun, zur Schutztruppe übergetreten. Es kam zu kleineren Scharmützeln auf feindlichem Gebiet, und auch hier gelang es, den Feind im wesentlichen fernzuhalten.
Erst Anfang Februar 1915 rückten mehrere hundert feindliche Askari in Abercorn ein, und Teile derselben drangen bis in die Gegend der Mission Mwasye vor, zogen dann aber wieder ab.
Mitte März wurde dann die Truppe unter Lt. d. Res. Haun am Kitoberge durch eine englisch-belgische Abteilung im Lager überfallen. Lt. Haun geriet schwer verwundet in Gefangenschaft und mehrere Askari fielen. Oberleutnant Aumann wurde mit einer Abteilung, die später als Kompagnie formiert wurde, von Hauptmann Falkenstein, dem Führer der 5. Feldkompagnie (Langenburg), abgezweigt und deckte in der Gegend von Mbozi die deutsche Grenze. Dort waren im Februar 1915 mehrfach mehrere hundert Mann starke Abteilungen in deutsches Gebiet eingedrungen; Ende März wurden in Karonga Europäer in unbekannter Zahl, in Fife und in anderen Orten der Grenze etwa 800 Mann gemeldet. Der Feind schien also einen Angriff vorzubereiten. Er streifte bis in die Gegend von Itaka vor, und Anfang April wurde Kituta am Südende des Tanganjikasees als von den Belgiern verschanzt gemeldet. Major von Langenn, der nach Wiederherstellung von seiner schweren Verwundung — er hatte ein Auge verloren — am Russissi tätig war, wurde mit der Führung der Operationen in dem ihm bekannten Gebiet Bismarckburg-Langenburg betraut. Außer seiner früheren 5. Feldkompagnie, die bei Ipyana und in der Gegend von Mbozi stand, wurden ihm hierzu die etwa kompagniestarke Abteilung Bismarckburg und drei Kompagnien unterstellt, die von Kigoma und Daressalam herangezogen wurden. Während des Seetransportes nach Bismarckburg fanden östlich dieses Ortes einige erfolgreiche Zusammenstöße unserer Patrouillen gegen 50 bis 250 Mann starke feindliche Streifabteilungen statt.
Major von Langenn hatte am 7. Mai 1915 4 Kompagnien bei Mwasye versammelt, eine gegenüberstehende belgische Abteilung ging zurück. Am 23. Mai warf Patrouille Oberleutnant von Debschitz eine belgische Kompagnie zurück, von der 2 Europäer, 6 Askari fielen. Am 24. Mai erging Befehl an Langenn, mit 3 Kompagnien nach Neu-Langenburg gegen den dort als bevorstehend gemeldeten Angriff abzurücken. Den Befehl in Gegend Bismarckburg übernahm General Wahle. Dieser traf am 6. Juni in Kigoma ein und sammelte bei Bismarckburg die als 29. Feldkompagnie formierte Abteilung Bismarckburg und die von Daressalam herangezogene 24. Feldkompagnie und halbe Europäerkompagnie.
Am 28. Juni griff General Wahle mit 2½ Kompagnien die Farm Jericho an, brach aber das Gefecht ab, als er erkannte, daß die feste Stellung ohne Artillerie nicht zu nehmen sei. Bei uns fielen 3 Europäer, 4 Askari, verwundet wurden 2 Europäer, 22 Askari. General Wahle wurde durch 2 Kompagnien von Langenburg her verstärkt.