Seit dem 25. Juli 1915 belagerte General Wahle mit 4 Kompagnien und 2 Geschützen C/73 den bei Jericho stark befestigten Gegner. Von Abercorn aus unternommene Entsatzversuche wurden abgeschlagen, am 2. August 1915 aber die Belagerung aufgehoben, da mit der vorhandenen Artillerie eine Wirkung nicht zu erzielen war. General Wahle fuhr mit 3 Kompagnien zurück nach Daressalam. Die 29. Kompagnie blieb bei Jericho, die 2 Geschütze in Kigoma.

Am 19. Juni war durch „Goetzen“ der bei Kituta auf Strand liegende Dampfer „Cecil Rhodes“ abgeschleppt und versenkt worden.

Während des September und Oktober kam es nun zu dauernden Patrouillengefechten an der Grenze von Bismarckburg; bei Abercorn drangen wieder belgische Verstärkungen ein. Am 3. Dezember wurde bemerkt, daß die Befestigungen von Jericho verlassen und geschleift waren. Ein neues, nordöstlich Abercorn erbautes Fort beschoß Oberleutnant Franken am 6. Dezember mit 100 Gewehren und einem Maschinengewehr und brachte dem Feinde dabei anscheinend Verluste bei.

Die englische Marineexpedition, deren Anmarsch über Bukama-Elisabethville seit langem beobachtet wurde, hatte am 22. Oktober 1915 die Lukugabahn erreicht. Die aufgefangenen Notizen, daß für die Deutschen eine Überraschung auf dem Tanganjika vorbereitet würde, brachten mich auf den Gedanken, daß wir hier mit besonders konstruierten kleinen Fahrzeugen, die vielleicht mit Torpedos ausgerüstet wären, zu rechnen haben würden. Es handelte sich also um eine sehr ernst zu nehmende Gefährdung unserer Herrschaft auf dem Tanganjika, die auf unsere gesamte Kriegführung von ausschlaggebendem Einfluß sein konnte. Die gleichzeitig mit diesen Vorbereitungen stattfindenden feindlichen Truppenverschiebungen in der Richtung auf den Kiwusee und auf Abercorn zu bewiesen, daß Hand in Hand eine beabsichtigte Landoffensive gehen sollte. Um hierbei den Feind möglichst noch während seiner Versammlung zu schlagen, griff Hauptmann Schulz am 27. September 1915 bei Luwungi die Belgier an und brachte ihnen schwere Verluste bei.

Der Dampfer „Kingani“ überfiel in der Nacht vom 28. Oktober eine belgische Telegraphenbaukolonne und machte einige Beute. In der Lukugamündung wurde ein fahrender Eisenbahnzug festgestellt. „Kingani“ kehrte von einer Erkundungsfahrt zur Lukugamündung nicht zurück und war nach einem belgischen Funkspruch vom 31. Dezember verlorengegangen. Vier Europäer, acht Farbige sollen tot, der Rest gefangen sein. Augenscheinlich war der günstige Zeitpunkt, die feindlichen Vorbereitungen zur Herrschaft auf dem Tanganjika zu stören, verstrichen.

Am 9. Februar 1916 wurde dann noch einer unserer armierten Dampfer durch den Feind genommen.

Auf dem Nyassasee war der deutsche Dampfer „Hermann von Wißmann“, der vom Ausbruch des Krieges nichts wußte, am 13. August 1914 von dem englischen Regierungsdampfer „Gwendolin“ überrascht und fortgenommen worden.

Hauptmann von Langenn war mit seiner in Massoko bei Neu-Langenburg stehenden 5. Feldkompagnie am 9. September 1914 gegen die englische Station Karonga vorgegangen. Beim Kampfe gegen die in fester Stellung befindlichen Engländer wurde Hauptmann von Langenn selbst schwer verwundet. Die beiden Kompagnieoffiziere gerieten, gleichfalls schwer verwundet, in englische Gefangenschaft. Die deutschen Unteroffiziere und die Askari schlugen sich sehr brav, mußten aber doch einsehen, daß sie gegen die Schanzen des Feindes nichts ausrichten konnten und brachen deshalb das aussichtslose Gefecht ab. Über 20 Askari waren gefallen, mehrere Maschinengewehre und leichte Geschütze verlorengegangen. Aus Iringa und Ubena trafen nun umgehend Verstärkungen der 2. Kompagnie ein; auch mehrere hundert Wahehehilfskrieger wurden aufgeboten. Nach und nach stellte sich heraus, daß der Feind auch starke Verluste erlitten hatte. Er hütete sich vor größeren Unternehmungen gegen den Bezirk Langenburg, so daß dieses fruchtbare, für uns so wichtige Verpflegungsgebiet uns anderthalb Jahre lang erhalten blieb.

Später rückte unsere 5. Kompagnie bei Langenburg mit ihrem Hauptteil wieder näher an die Grenze zur Mission Ipyana vor. Am 2. November 1915 fand am Lusirafluß ein Vorpostengefecht statt und dem Dampfer „Gwendolin“ auf dem Nyassasee wurden einige Geschütztreffer beigebracht.

Anfang Dezember 1914 fanden nördlich Karonga, am Ssongwefluß, Patrouillenzusammenstöße statt. Oberarzt Dr. Gothein, der Anfang Mai 1915 aus englischer Gefangenschaft zurückgeliefert worden war, erzählte, daß in dem ersten Gefecht bei Karonga, am 9. September 1914, der Feind an Toten 6 Europäer und 50 Askari, an Schwerverwundeten 7 Europäer und über 50 Askari verloren hatte. Die Engländer unterhielten eine rege Spionage, besonders durch den „Wali“, einen eingeborenen Verwaltungsbeamten am Ssongwe.