An Bekleidung war in damaliger Zeit kein fühlbarer Mangel, und auch Waffen und Munition waren ausreichend vorhanden.

Wegen der Umgehungsbewegung des Feindes bei Mkalinzo, wo starke Truppenmengen festgestellt worden waren, hatte Hauptmann Otto das Gros seiner Abteilung von Kungulio aus nach Süden verschoben. Nördlich Mawa deckte er das reiche Verpflegungsgebiet von Madaba und die vom Utungisee über Mawa dorthin laufende Transport- und Telephonstraße. Am 24. Januar 1917 wurde Hauptmann Otto nördlich Mawa von mehreren Bataillonen der Nigeriabrigade angegriffen. Der mit schweren Verlusten geschlagene Feind wurde mehrere Kilometer durch den Busch verfolgt bis zu einer verschanzten Stellung, in der er Aufnahme fand. Von Kibata her waren die Truppen des nach unserem Abzug dort belassenen Hauptmanns Schulz, die gelegentlich verstärkt und abgelöst wurden, nach Kämpfen in der Gegend Kibata-Utete-Kissiberge allmählich nach Ungwara zusammengezogen worden. Stärkere Kräfte — festgestellt wurde eine Infanteriebrigade — waren ihnen gefolgt. Trotz seiner numerischen Überlegenheit verliefen die einzelnen Gefechte für den Feind meist ungünstig und recht verlustreich. Hauptmann von Lieberman, Hauptmann Goering, Hauptmann Koehl und zahlreiche Patrouillenführer schlugen häufig um das Doppelte und mehr überlegene Abteilungen Inder oder schwarzer Soldaten vollständig und erbeuteten Gewehre, Maschinengewehre und Munition. Der lange Krieg hatte eine große Anzahl tüchtiger Unterführer erzeugt, und das Beispiel, wie es der später gefallene Oberleutnant Kroeger gab, rief unbegrenzte Unternehmungslust und Wagemut hervor. Ohne nach der Stärke des Feindes zu fragen, war er häufig mit wenigen Mann im dichten Busch dem Feinde sofort mit aufgepflanztem Seitengewehr und Hurra zu Leibe gegangen und hatte so auch bei den Askari Schule gemacht. Verschiedene farbige Patrouillenführer taten sich hervor, und wenn später der brave Effendi der 4. Feldkompagnie mit seiner Patrouille eine ganze indische Kompagnie in selbständigem Gefecht schlug, so verdanken wir dies der hier bei Ungwara durchgemachten Schulung.

Die Gefahr für unsere über Madaba und Liwale nach Süden gehende Verbindung durch einen starken Feind, der westlich Kibata stand, war zu offenkundig, und es war notwendig für uns, für ausreichenden Schutz zu sorgen. Dies bedingte eine allmähliche Verschiebung unserer Kräfte vom Rufiji aus nach Süden um so mehr, als die Verpflegungsbestände im Gebiet dieses Flusses sich ihrem Ende näherten und die großen Regen vor der Tür standen.

Es war von besonderer Wichtigkeit, die Gebiete des Rufiji nicht vor dem Einsetzen dieser großen Regen zu räumen. Gelang dies, so stand ein erheblicher Zeitgewinn für uns zu erwarten, da während der Regen selbst und in der Zeit nach ihnen die Operationen notgedrungen stillstanden, die Feldfrüchte, besonders der Mtama (Hirse), also ausreifen konnten.

Als die Wanderungen der Ameisen gezeigt hatten, daß die großen Regen bevorstanden, war vorbeugend vom Kommando befohlen worden, daß Frauen, Kinder und Nichtkombattanten in möglichst großer Anzahl auf das Nordufer des Rufiji übergesetzt und von dort weiter nach Daressalam transportiert wurden. Daß diese durch die Regen und die Verpflegungsmaßnahme bedingte unvermeidliche Maßnahme viele Mißbilligung hervorrief, darum durfte ich mich ebensowenig wie bei anderen Entrüstungsstürmen kümmern. Ich stehe aber auch jetzt noch auf dem Standpunkt, daß das frühzeitige Abschieben dieser Leute mehr in ihrem eigenen Interesse lag, als daß sie noch einen Teil der Regenzeit im aufgeweichten Boden oder in überschwemmten Wohnungen ohne ausreichende Verpflegung hätten zubringen müssen.

Die Regen, die Ende März einsetzen, waren 1917 ganz besonders stark. Unser etwas erhöht liegender Lagerplatz am Utungisee wurde zu einer Insel, von der aus der Verkehr durch den Wald zum Rufiji nur durch Boote möglich war. Eine Anzahl Leute ist während der Regenzeit im Walde ertrunken, andere flüchteten sich tagelang auf die Bäume. Das Wasser stieg so hoch, daß es in Mpanganja in die erhöht liegenden Wohnräume der Europäer und in die Lazarettgebäude eindrang und allen Unrat in Bewegung setzte. Ein Verbleiben von Frauen und Kindern, Kranken und Verwundeten war ganz unmöglich, und so mußten sie sich nach dem Abzug der Truppe an die Engländer wenden, die auch in Würdigung der Notlage für Verpflegung und Abtransport sorgten.

Das Gros der Truppe marschierte rechtzeitig aus den Überschwemmungsgebieten des Rufiji und des Utungisees nach Süden weiter, nachdem sie aus der am Rufiji vorhandenen Verpflegung fast bis auf das letzte Korn Nutzen gezogen hatte. Der Abmarsch vollzog sich ganz allmählich und staffelweise; in Mpotora, das Hauptmann Rothe mit seinen zwei Kompagnien, die die Portugiesen bei Newala geschlagen hatten, in einem verschanzten Lager besetzt hielt, sammelte sich der größere Teil der Truppe. Am Rufiji blieben nur kleinere Abteilungen, die sich allmählich bis zur Stärke von Patrouillen schwächten. Vier Tagemärsche östlich von Madaba bot sich den Abteilungen Koehl und Goering Gelegenheit zu erfolgreichen Unternehmungen gegen feindliche Abteilungen, die am Westrande der Matumbiberge standen. Aber allmählich wurden alle unsere Abteilungen nach Mpotora herangezogen, und nur Hauptmann Otto blieb in dem höher gelegenen Gebiet von Madaba stehen.

Neunter Abschnitt
Das Ende der Grenzenverteidigung auf den Nebenschauplätzen

Major Kraut war im August 1916 von Kilossa aus schrittweise auf Mahenge ausgewichen und hatte bei Kidodi am Ruaha nur die Abteilung Schoenfeld belassen.

Die Truppen des Hauptmanns Braunschweig traten unter Befehl des Majors Kraut. Von diesen war Ende Mai 1916 Hauptmann Falkenstein mit der 5. Feldkompagnie von Ipyana, Hauptmann Aumann mit seiner Kompagnie aus Gegend Mbozi unter dauernden kleinen Scharmützeln in Richtung auf Lupembe und Madibira zurückgegangen. Gegen den mindestens eine Brigade starken, nachdrängenden Feind mußte unseren schwachen Abteilungen ein Halt gegeben werden. Ende Juni 1916 war deshalb Hauptmann Braunschweig, der sich in Dodoma befand, über Iringa entsandt und durch Kompagnien, die von den Kondoatruppen und von Daressalam herangezogen wurden, auf fünf Kompagnien gebracht worden, einschließlich der beiden Kompagnien aus Langenburg. Auch 100 Mann der „Königsberg“-Besatzung (aus Daressalam) und eine Feldhaubitze gehörten zu seiner Abteilung. Bei Malangali nahm er den Angriff des Feindes an und brachte diesem anscheinend auch erhebliche Verluste bei. Dann aber räumte er die Stellung und ließ die schwer transportierbare Haubitze stehen, nachdem sie unbrauchbar gemacht worden war. Braunschweigs Lage wurde dadurch erschwert, daß in seinem Rücken ein großer Wahehehäuptling aufstand und mit allen Leuten und Vieh zum Feinde überging. Hauptmann Braunschweig wich dann in einer ganzen Reihe kleiner Nachhutgefechte auf Mahenge zu aus und wurde dem Major Kraut unterstellt. Nach zahlreichen kleinen Gefechten hielten dessen vorgeschobene Abteilungen im großen und ganzen die Linie des Ruhudje- und Ruahaflusses. In dem reichen Bezirk von Mahenge war die Verpflegung ausgezeichnet, auch nachdem ein großer Teil des westlich des Ruhudje belegenen Reisgebietes aufgegeben war. An diesem Fluß, bei Mkapira, hatte der Feind ein starkes befestigtes Lager bezogen. Wenn dieses auch durch einen gewaltsamen Angriff bei unseren Mitteln nicht einzunehmen war, so bot sich doch Gelegenheit, auf den Feind durch das Abschneiden seiner nach Lupembe führenden Verbindung so einzuwirken, daß er wegen Nahrungsmangel aus seinen Verschanzungen herauskommen mußte.