Und dabei war es so einfach zu malen, wie ich es sah, ohne viel Überlegung ein Rot neben ein Blau zu setzen! Vergoldete Gestalten in Bächen und am Strande entzückten mich, warum zögerte ich, diesen Sonnenjubel auf meine Leinwand zu bannen.
Oh! diese alten europäischen Überlieferungen! die furchtsame Ausdrucksart entarteter Rassen!
Um mich mit dem eigentümlichen Charakter eines tahitischen Gesichts vertraut zu machen, wollte ich das Porträt einer meiner Nachbarinnen, einer jungen Frau rein tahitischer Abstammung, machen. – Eines Tages faßte sie sich ein Herz, in meine Hütte zu kommen und sich Photographien von Bildern anzusehen, mit denen ich eine Wand meiner Kammer tapeziert hatte. Sie betrachtete sie lange, mit ganz besonderem Interesse die Olympia.
– Wie gefällt dir das? fragte ich sie. (Ich hatte in den zwei Monaten, wo ich nicht mehr fanzösisch sprach, ein paar tahitische Worte gelernt.)
Meine Nachbarin erwiderte:
– Sie ist sehr schön.
Ich lächelte über diese Bemerkung, und sie rührte mich. Hatte sie denn Verständnis für das Schöne? Was aber würden die Professoren der Akademie der Schönen Künste dazu sagen?
Nach einem fühlbaren Schweigen, wie es einer Gedankenfolgerung vorauszugehen pflegt, fügte sie plötzlich hinzu:
– Ist das deine Frau?
– Ja.