Ich scheute diese Lüge nicht. Ich, der Tané der schönen Olympia!

Während sie neugierig einige religiöse Kompositionen der italienischen Primitiven prüfte, begann ich eilig, ohne daß sie es sah, ihr Porträt zu skizzieren.

Sie merkte es plötzlich, rief schmollend – Aïta! (Nein) und lief davon.

Eine Stunde später war sie in einem schönen Kleid, die Tiaré hinterm Ohr, wieder da. – Geschah es aus Koketterie? aus Freude, nach der Weigerung freiwillig nachzugeben? Oder war es einfach das Lockende der verbotenen Frucht, die man sich selber verwehrt? Oder noch einfacher vielleicht bloße Laune, ohne jeden andern Beweggrund, wie die Maories sie gewohnt sind?

Ohne Zögern machte ich mich an die Arbeit, ohne Zögern und fieberhaft. Ich war mir bewußt, daß von meiner Leistung als Maler die physische und moralische Ergebenheit des Modells, eine rasche, stillschweigende, unweigerliche Einwilligung abhing.

Nach unsern Regeln der Ästhetik war sie wenig schön.

Aber sie war schön.

Ihre Züge waren von einer raffaelischen Harmonie, und den Mund hatte ein Bildhauer modelliert, der es versteht, in eine einzige bewegliche Linie alle Freude und alles Leid zu legen.

Ich arbeitete hastig und leidenschaftlich, denn ich wußte wohl, daß auf die Zustimmung noch nicht zu rechnen war. Ich zitterte davor, in diesen großen Augen Furcht zu lesen und Verlangen nach dem Unbekannten, die Melancholie bitterer Erfahrung, die jeder Lust zugrunde liegt, wie das unfreiwillige, souveräne Gefühl der Selbstbeherrschung. Solche Geschöpfe scheinen uns zu unterliegen, wenn sie sich uns geben, und unterliegen doch nur ihrem eigenen Willen. Sie beherrscht eine Kraft, die etwas Übermenschliches hat – oder vielleicht etwas göttlich Animalisches.

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