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Meine Nachbarn sind mir Freunde geworden. Ich esse und kleide mich wie sie. Wenn ich nicht arbeite, teile ich ihr Leben der Einfalt und der Freude, das sich zuweilen jäh in Ernst verwandelt.

Abends versammelt man sich in Gruppen am Fuße der buschigen Sträucher, die die zerzausten Wipfel der Kokosnußbäume überragen, oder Männer und Frauen, Greise und Kinder vereinen sich. Die einen stammen aus Tahiti, andere von den Tongas- und wieder andere von den Marquesas-Inseln. Die matten Töne ihrer Körper stimmen harmonisch zu dem Sammet des Laubes, und aus ihrer kupfernen Brust steigen zitternd Melodien, die von den rauhen Stämmen der Kokosnußbäume gedämpft zurückgeworfen werden. Es sind tahitische Gesänge, die Iménés.

Eine Frau beginnt, ihre Stimme erhebt sich gleich einem Vogel im Fluge und geht durch alle Töne bis zum höchsten der Tonleiter, steigt und singt in starken Modulationen und schwebt schließlich über den Stimmen der übrigen Frauen, die ihrerseits nun auffliegen, wenn man so sagen darf, ihr folgen und sie getreulich begleiten. Mit einem einzigen gutturalen, barbarischen Schrei schließen zuletzt alle Männer einstimmig den Gesang.

Zuweilen kommt man zum Plaudern oder Singen in einer Hütte zusammen.

Mit einem Gebet wird begonnen, ein Greis spricht es gewissenhaft vor, und alle Anwesenden wiederholen es. Dann wird gesungen, oder es werden lustige Geschichten erzählt. Der Inhalt dieser Erzählungen ist sehr zart, kaum greifbar, es sind in das Gewebe gestickte, durch ihre Naivität so feine Details, die sie belustigen.

Seltener gibt man sich mit der Erörterung ernster Fragen oder weiser Vorschläge ab. Eines Abends wurde folgender gemacht, den ich nicht ohne Staunen hörte:

– In unserm Dorf, sagte ein Greis, sieht man hier und dort zerfallene Häuser, geborstene Mauern und morsche halboffene Dächer, durch die Nässe dringt, wenn es zufällig einmal regnet. Warum? Jedermann hat das Recht, vor Wind und Wetter geschützt zu sein. Es fehlt weder an Holz noch an Laub zur Herstellung der Dächer. Ich schlage vor, gemeinschaftlich geräumige solide Hütten an Stelle der unbewohnbar gewordenen zu bauen. Wir wollen alle der Reihe nach Hand anlegen.

Alle Anwesenden spendeten ihm ohne Ausnahme Beifall: