Der gute Vorsatz, mich zu überwachen, zu beherrschen, um ein scharfsichtiger Beobachter zu werden, half mir wenig, meine Kraft ging bald zu Ende – und ich war für Tehura in kurzer Zeit ein offenes Buch.

Ich ward nun gewissermaßen auf meine Kosten und an meiner eignen Person der tiefen Kluft gewahr, die eine australische Seele von einer lateinischen und besonders einer französischen Seele trennt. Die Seele der Maories offenbart sich nicht sogleich. Es bedarf großer Geduld und eines Studiums, um ihrer habhaft zu werden. Und selbst wenn man sie von Grund aus zu kennen meint, bringt sie einen durch ganz unvorhergesehene „Sprünge“ aus der Fassung. Im Anfang aber ist sie ein Rätsel oder vielmehr eine unendliche Reihe von Rätseln. Im Augenblick, da man sie zu fassen meint, ist sie fern, unerreichbar, unnahbar unter dem Mantel der Heiterkeit. Dann nähert sie sich vielleicht freiwillig, um abermals zu entschlüpfen, sobald man die geringste Gewißheit zu erkennen gibt. Und während man, durch dies Gebaren verwirrt, ihr innerstes Wesen sucht, bewahrt sie ihre unverwüstlich fröhliche Zuversicht und sorglose Leichtherzigkeit, die vielleicht weniger echt ist, als es den Anschein hat.

Für mein Teil verzichtete ich bald auf Grübeleien, die mich hinderten, mein Leben zu genießen. Voll Vertrauen erwartete ich mit der Zeit Offenbarungen, die mir anfangs verwehrt blieben.

Die Woche verstrich so, und ich hatte ein Gefühl von „Kindlichkeit“, das ich vormals nie gekannt.

Ich liebte Tehura und sagte es ihr, aber es machte sie lachen: sie wußte es ja!

Auch sie schien mich zu lieben, doch sprach sie davon nicht zu mir: – Aber zuweilen, in der Nacht, leuchtete das Gold von Tehuras Haut ...

Am achten Tag ... mir war, als hätten wir eben erst miteinander unsere Hütte betreten – bat Tehura mich um Erlaubnis, ihre Mutter in Faone zu besuchen. Es war eine versprochene Sache.

Betrübt fügte ich mich, band einige Piaster in ihr Taschentuch, von denen sie die Kosten der Reise und Rum für ihren Vater bestreiten konnte, und begleitete sie zu dem Wagen.

Ich hatte das Gefühl eines Abschieds für immer.

Die folgenden Tage waren qualvoll.