Die Einsamkeit trieb mich aus der Hütte, und Erinnerungen riefen mich dahin wieder zurück. Keine Studie vermochte meine Gedanken zu fesseln ...

Eine zweite Woche verging, und Tehura kehrte zurück.

Nun fing ein vollkommen glückliches Leben an. Glück und Arbeit begannen zugleich mit der Sonne und strahlend wie sie. Das Gold von Tehuras Antlitz erhellte das Innere unserer Hütte und die Landschaft ringsum mit einem Schimmer von Freude und Heiterkeit. Sie studierte mich nicht mehr und ich nicht sie. Sie verheimlichte mir ihre Liebe nicht länger, und ich sprach ihr nicht mehr von der meinen. Wir lebten beide in aller Einfachheit.

Wie wohl tat es, sich morgens im nächsten Bach zu erfrischen – ganz wie ich mir denke, daß es im Paradies der erste Mann und das erste Weib getan!

Paradies von Tahiti, navé navé fénua, – köstliches Land!

Und die Eva dieses Paradieses gestaltete sich immer liebevoller und empfänglicher. Ich bin von ihrem Duft durchdrungen: noa, noa! Sie ist zur rechten Zeit in mein Leben getreten. Früher hätte ich sie vielleicht nicht verstanden, und später wäre es zu spät gewesen. Jetzt verstehe ich sie, wie ich sie liebe, und durch sie dringe ich in Mysterien ein, die mir bis dahin unzugänglich waren.

Allein mein Geist verarbeitet diese Entdeckungen noch nicht, ich präge sie noch nicht meinem Gedächtnisse ein. Alles was Tehura mir erzählt, erfasse ich nur mit Gefühl.

In meinen Empfindungen und Eindrücken werde ich ihre Worte einst wiederfinden. Durch ihre täglichen Mitteilungen über ihr Leben führt sie mich sicherer, als es durch irgendeine andere Methode geschehen könnte, zum vollen Verständnis ihrer Rasse.

Und ich habe kein Bewußtsein mehr von Tagen oder Stunden, von Gut und Böse. Das Glück ist zuweilen so seltsam, daß der Begriff davon fast aufgehoben wird. Ich weiß nur, daß alles gut ist, weil alles schön ist.

Und Tehura stört mich nie, wenn ich arbeite oder träume. Instinktmäßig schweigt sie dann. Sie weiß sehr gut, wann sie sprechen kann, ohne mich zu belästigen.